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Pressemitteilung: Pociao gewinnt den DeLillo-Übersetzungswettbewerb des Deutschen Übersetzerfonds und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Pressemitteilung vom 20.10.2017

Die in Bonn und Tanger lebende Übersetzerin Pociao hat den DeLillo-Übersetzungswettbewerb des Deutschen Übersetzerfonds und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gewonnen. Der mit 2.000 € dotierte und von der Kulturstiftung der Länder gestiftete Preis wurde am Freitagabend als Abschluss des Symposiums zum 20. Jubiläum des Deutschen Übersetzerfonds überreicht.

Gegenstand des öffentlichen Wettbewerbs war eine deutsche Übersetzung des hierzulande wenig bekannten und noch nicht übersetzten Frühwerks Don DeLillos, der  Anfang des Romans  „Great Jones Street“ aus dem Jahr 1973. Eine Fachjury (Ulrich Blumenbach, Kerstin Gleba, Andreas Jandl, Miriam Mandelkow und Andreas Platthaus) hatte mehr als 400 Einsendungen – in der großen Mehrzahl von übersetzenden Laien – zu prüfen.

Die Wahl der Jury fiel auf Pociaos Version, denn:

„Pociao schöpft aus dem Vollen, und in ihrer Übersetzung gibt es immer wieder Anlässe zum Jubeln. Das geht beim ersten Satz los, einem Paukenschlag, dessen Dröhnen wiederhergestellt wird: „Ruhm erfordert Exzesse jeglicher Art.“ Oder um ein anderes Beispiel zu nehmen: Das unauffällige Adjektiv „visceral“ ist ein semantischer Cocktail aus konkreten Eingeweiden und figurativem Bauchgefühl, der einen Englischübersetzer zur Verzweiflung treiben kann, aber der Ausdruck ist nicht unübersetzbar, wie Pociao beweist, bei der aus „There was less sense of simple visceral abandon at our concerts during these last weeks“ der Satz wird: „In diesen letzten Wochen hatten schlichte, hemmungslose Ausschreitungen bei unseren Konzerten spürbar nachgelassen.“ Bei all dem war eigene Kreativität gefragt, all das geht über das Handwerk hinaus, all das ist wahre Kunst des Übersetzens. Und ein Buch fängt an zu klingen, trifft man nur das Zauberwort.“

Pociao studierte nach längeren Aufenthalten in London und New York Anglistik, Germanistik und vergleichende Literaturwissenschaften in Bonn. Anfang der 70er Jahre Gründung von Pociao’s Books, einem Vertrieb für experimentelle Literatur aus der amerikanischen Small-Press-Szene für den europäischen Raum, Mitarbeit beim Verlag Expanded Media Editions und Mitte der 90er Jahre zusammen mit der Komponistin Ulrike Haage Gründung des eigenen Verlags Sans Soleil. Übersetzung zahlreicher Autoren aus den Vereinigten Staaten, England und Spanien, darunter Paul und Jane Bowles, Gore Vidal, William S. Burroughs, Bill Ayers, Patti Smith, Laurie Anderson, Zelda Fitzgerald, Adam Haslett, Tom Robbins, Nicholas Christopher, Gina Ochsner, Evelyn Waugh und Jeremy Reed. Pociao, die auch als Autorin zahlreicher Features über Clarice Lispector oder Mohamed Choukri hervorgetreten ist,  lebt in Bonn und Tanger.

Ein Anliegen des Wettbewerbs ist die Diskussion der Frage, ob und inwieweit sich das Literaturübersetzen in Deutschland  in den vergangenen Jahrzehnten weiterentwickelt hat. In einem F.A.Z.-Beitrag am Samstag, 21. Oktober 2017 geht Ulrich Blumenbach auf die Befunde des Wettbewerbs ein. Dort werden auch DeLillos Originaltext und Pociaos deutsche Übersetzung nachzulesen sein.

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Pressemitteilung: Der Deutsche Übersetzerfonds wird 20 Jahre alt
Pressemitteilung vom 19.10.2017

Sein 20-jähriges Gründungsjubiläum feiert der Deutsche Übersetzerfonds (DÜF) am heutigen Abend im Literarischen Colloquium Berlin.
Der Deutsche Übersetzerfonds (DÜF) hat die Förderung literarischer Übersetzerinnen und Übersetzer in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit einer Vielfalt an Instrumenten und neuen Inhalten Gestalt werden lassen. Der heutige Festakt mit Reden von Staatsministerin Monika Grütters, Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe und DÜFVorsitzenden Thomas Brovot ist verbunden mit der Eröffnung der von Marie Luise Knott und Andreas Tretner kuratierten Ausstellung „Urbans Orbit. Einblicke in den Nachlass eines Übersetzers“. Sie zeigt den großen Übersetzer Peter Urban (1941-2013) als leidenschaftlichen Čechov-Philologen, als Anwalt und Vermittler der Werke Velimir Chlebnikovs, als Wegbegleiter zeitgenössischer Autoren. Hervorgegangen ist die Ausstellung aus einer Sichtung des im Deutschen Literaturarchiv Marbach aufbewahrten Nachlasses. „Urbans Orbit“ wird bis zum 8. Februar 2018 vor und nach den Veranstaltungen im Literarischen Colloquium zu sehen sein. Am 20. Oktober 2017 wird sich ein ganztägiges Symposium mit dem Titel „Zaitenklänge“ – eine Wortschöpfung aus einer Chlebnikov-Übersetzung von Gerhard Rühm – exemplarischen Geschichten aus der Geschichte der Übersetzung widmen. Detailplan hier.

Anlässlich seines 20-jährigen Jubiläums hat der DÜF im Sommer gemeinsam mit der FAZ einen Übersetzerwettbewerb ausgelobt und eine Fachjury damit betraut, die mehr als 400 Einsendungen zu begutachten. Am Freitag, 20. Oktober um 19 Uhr nun wird, zum Abschluss des Symposiums die herausragende deutsche Übersetzung eines hierzulande wenig bekannten Frühwerks Don DeLillos gekürt, der Anfang des Romans „Great Jones Street“ aus dem Jahr 1973. Nebenbei stellt der Wettbewerb die Frage, ob und vor allem auf welche Weise sich das Literaturübersetzen in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten weiterentwickelt hat.

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Urbans Orbit. Einblicke in den Nachlass eines Übersetzers
Ausstellung im LCB vom 20. Oktober 2017 - 9. Februar 2018. Kuratiert von Marie Luise Knott und Andreas Tretner

Längst weiß man, in welchem Ausmaß Übersetzerinnen und Übersetzer Sprache und Kultur eines Landes prägen. Ihre Nachlässe wurden lange wenig beachtet. Manuskripte, Korrespondenzen und Dokumente aus dem im Deutschen Literaturarchiv Marbach lagernden Nachlass des Übersetzers Peter Urban (1941–2013) geben Einblicke in das übersetzerische Wirken im 20. Jahrhundert. Sie zeigen Peter Urban als manischen Sammler, Erforscher und Übersetzer der Werke Anton Čechovs, als kommunikativen Anwalt des lange vergessenen Modernisten Velimir Chlebnikov und schließlich im freundschaftlichen Dialog mit dem serbischen Schriftsteller Miodrag Pavlović.

Einladung zur Ausstellung als PDF zum Download

Zaitenklänge. Geschichten aus der Geschichte der Übersetzung
Symposium zum 20. Jubiläum des Deutschen Übersetzerfonds

„Warum man Shakespeare nicht übersetzen kann und es trotzdem immer wieder tut“ – unter diesem Titel begeisterte einst Frank Günther das Berliner Publikum. In seiner schauspielerischen Darbietung setzte er den Übersetzer mal als gequälten, dann wieder als  listig zupackenden Sinnsucher und Problemlöser in Szene. Man schrieb den 13. September 1997 und Rosemarie Tietze hatte so manchen charismatischen Vertreter des Fachs eingeladen, die sprachlich-sinnliche Faszination des Übersetzens in unterschiedliche Darbietungsformen zu gießen. Mit diesem ersten „Übersetzertag“ im Literarischen Colloquium Berlin feierte man damals die Gründung des Deutschen Übersetzerfonds am Tag zuvor.

Heute, 20 Jahre später, ist aus der Vereinsidee „Deutscher Übersetzerfonds“ eine Institution geworden, die der Förderung literarischer Übersetzerinnen und Übersetzer nicht nur eine feste Adresse gegeben hat, sondern auch einen organisatorischen Rahmen mit einer Vielfalt an Instrumenten und neuen Inhalten. Wir danken allen, die daran mitgearbeitet haben!

Ins Zentrum unseres Jubiläumssymposiums stehen Geschichten aus der Geschichte der literarischen Übersetzung. Man weiß: Die Blütezeiten der deutschen Literatur waren „belles époques“ der Übersetzungskunst. Der Reichtum unserer Literatur ist ohne den Austausch mit den Literaturen der Welt nicht denkbar. Übersetzungsgeschichte ist aber auch und vor allem Übersetzergeschichte, viel häufiger noch Übersetzerinnengeschichte, und beim Nachdenken darüber wird uns deutlich, wie wenig wir über Übersetzerinnen und Übersetzer vergangener Epochen wissen: eine Leerstelle unseres kulturellen Bewusstseins. Auf dem Weg zu einer Archäologie der Übersetzungskunst haben wir Übersetzerinnen und Übersetzer, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von heute damit beauftragt, aufschlussreiche Geschichten aus der Historie des Übersetzens als einer Geschichte des Sprachschöpfens zu entfalten.

Einladung zum Symposium mit Programm als PDF zum Download

Transfer – Werkstatt Kinder- und Jugendtheater in Übersetzung
vom 1. bis 5. März 2018 | in Frankfurt am Main | Leitung: Barbara Christ | Bewerbungsschluss: 11.12.2017

Die viertägige Werkstatt unter der Leitung der Übersetzerin Barbara Christ bietet bis zu sechs Übersetzer*innen Zeit und Raum zum gemeinsamen Arbeiten, zum Austausch und zur Begegnung mit der Praxis des Kinder- und Jugendtheaters. Ziel der Werkstatt ist es, Übersetzungen von neuen internationalen Theaterstücken für Kinder- und Jugendliche zu diskutieren und bekannt zu machen. Die Übersetzungen sollten nicht älter als fünf Jahre und im deutschsprachigen Raum noch nicht aufgeführt sein.

Ausschreibung als PDF zum Download

ViceVersa: Hindi-Deutsche Werkstatt
18. bis 22. Februar 2018 | im Übersetzerhaus Looren | Leitung: Rainer Kimmig und Namita Khare | Bewerbungsschluss: 10. Oktober 2017

Erstmals laden wir zu einer Hindi-Deutschen ViceVersa-Werkstatt ins Übersetzerhaus Looren ein. Kombiniert ist der Übersetzungsworkshop (19.-22. Februar 2018) mit der Einladung zum Besuch der „Tage indischer Literatur“ im Literaturhaus Zürich (23.-25. Februar 2018). Der viertägige Übersetzungsworkshop richtet sich an professionelle Literaturübersetzer (Prosa, Sachbuch, Essay, Lyrik, Drama) der Sprachrichtungen Deutsch>Hindi und Hindi>Deutsch, die mindestens eine Veröffentlichung vorweisen können. Übersetzer mit langjähriger Berufserfahrung sind genauso willkommen wie jüngere Übersetzer mit einer kurzen Publikationsliste. Im Mittelpunkt der Werkstattgespräche steht die intensive Diskussion der eingereichten, noch unabgeschlossenen und unpublizierten Übersetzungen. Problemfälle und Übersetzungsstrategien sollen erörtert, aber auch neue Arbeitsbeziehungen geknüpft werden. Die Texte zirkulieren vorab, zur Vorbereitung wird eine kritische Lektüre der Texte und eine reflektierte Vorstellung des eigenen Textes erwartet. Ein deutscher Leiter und eine indische Leiterin strukturieren und moderieren die Seminararbeit. Die Teilnehmer werden auch Einblicke in das aktuelle Schweizer Literaturschaffen erhalten und AutorInnen aus der Schweiz begegnen. Im Rahmen des Festivals „Tage indischer Literatur“ im Literaturhaus Zürich sind Lesungen und Gespräche mit AutorInnen und ReferentInnen aus der Literaturbranche geplant.

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Stilerkundungen – Die allmähliche Verfertigung des Stils beim Schreiben. Sprachübergreifendes Seminar für Literaturübersetzer und übersetzende Autoren
20. bis 24. Februar 2018 | im Literarischen Colloquium Berlin | Leitung: Angelika Klammer und Susanne Lange | Bewerbungsschluss: 19. November 2017

In „Stilerkundungen“ wollen wir den vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten des Deutschen nachspüren: Wie lässt sich die Sprache modellieren? Was für eine Palette an Stilmitteln bietet sie uns? Wie können wir Charakteristika anderer Sprachen in die unsere überführen bzw. Äquivalente dafür entwickeln?

Dabei richten wir uns an Literaturübersetzer, aber auch explizit an übersetzende Autoren, um zu erkunden, wie unterschiedlich Autoren und Übersetzer mit einem Originaltext arbeiten und wie diese Ansätze sich für das Übersetzen und Schreiben fruchtbar machen lassen. Wo hilft den Autoren beim Schlüpfen in fremde Sprachwelten das Instrumentarium, das sie sich für ihr Schreiben erarbeitet haben? Wo nicht? Steht es ihnen bisweilen sogar im Weg? Bearbeiten sie ihre ersten Versionen anders als die Literaturübersetzer? Inwiefern erweitert Übersetzen das sprachliche Repertoire? Erlangen Literaturübersetzer mehr Bewegungsfreiheit, wenn sie erste Versionen mit dem Blick eines Autors bearbeiten? Durch solche Vergleiche wollen wir Fragen des Stils von verschiedenen Seiten beleuchten und einen für Autoren wie Übersetzer anregenden Austausch über die Sprache und ihre Möglichkeiten in Gang bringen.

Wir bitten die Teilnehmer, möglichst aktuelle Übersetzungen mitzubringen, die sie vor stilistische Herausforderungen gestellt haben.

Ausgehend davon sollen die verschiedensten Ausdrucksmöglichkeiten erprobt werden, etwa wie man im Deutschen Akzente und Betonungen setzt, wie man das Tempo eines Textes variiert, ihn bewegter oder ruhiger gestaltet, wie man rhythmische Strukturen erzeugt. Ebenso wollen wir die Statik langer und kurzer Sätze untersuchen, der Frage nachgehen, welche Wörter oder Wortarten Anschaulichkeit oder Abstraktheit in einen Text bringen, wie man ihm stilistische Einheit verleiht bzw. sie bewusst aufbricht, wie der gezielte Einsatz von Partikeln den entscheidenden Tupfer zu setzen vermag.

Zur Veranschaulichung untersuchen wir Texte deutschsprachiger Autoren aus unterschiedlichen Epochen daraufhin, welche Ausdrucksvielfalt das Deutsche bietet, wo es flexibel ist, wo eher starr, welche stilistischen Pendants es für fremdsprachige Strukturen bereithält. Wann darf und soll sich die Übersetzung erlauben, Sprachregeln über Bord zu werfen, eine ähnliche Freiheit zu nehmen wie der Autor? Auch darauf suchen wir Antworten.

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ViceVersa: Deutsch-Polnische Übersetzerwerkstatt
3.-9. Dezember 2017 | im Instytut Kultury Miejskiej, Gdansk | Leitung: Dorota Stroińska und Thomas Weiler

Die Deutsch-Polnische Übersetzerwerkstatt findet dieses Jahr im Kulturstadtinstitut in der „Stadt der Freiheit Gdańsk“ statt. Zum achten Mal laden wir Literaturübersetzer beider Sprachen zu dem einwöchigen Werkstattgespräch ein, wo sie sich über ihre aktuellen Arbeiten professionell austauschen können.
Im Mittelpunkt der Werkstattgespräche steht die intensive Diskussion der eingereichten Übersetzungen. Die Texte zirkulieren vorab, zur Vorbereitung wird eine kritische Lektüre der Teilnehmertexte erwartet. Eine polnische Seminarleiterin und ein deutscher Seminarleiter strukturieren und moderieren die Seminararbeit. Die Debatte wird dabei immer wieder vom „besonderen Fall“ und seinen Lösungsmöglichkeiten über die spezifischen Probleme des Übersetzens zwischen der deutschen und polnischen Sprache bis zu grundsätzlichen Fragen des literarischen Übersetzens übergehen.
Die Werkstatt ist offen für 10 Teilnehmer – Literaturübersetzer mit langjähriger Berufserfahrung sind genauso willkommen wie jüngere Übersetzer mit einer kurzen Publikationsliste. Angestrebt wird eine gleichgewichtige Berücksichtigung deutscher und polnischer Bewerber.

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Der innere Lektor (2). Seminar für LiteraturübersetzerInnen aus dem Georgischen ins Deutsche
18.-24. November 2017 | im Übersetzerhaus Looren | Leitung: Rosemarie Tietze und Andrea Ott

Ganz gleich, aus welcher Sprache wir übersetzen – das Werkzeug, mit dem wir das Erzählte dem deutschen Leser verständlich machen, ist die deutsche Sprache mit all ihren Registern, Redewendungen, Syntaxformen, Stilnuancen und Finessen. Fasziniert vom Original, vergessen wir bisweilen, wie sehr wir uns von der Ausgangssprache lösen, wie weit wir in die Zielsprache eintauchen müssen. Hier hilft der „innere Lektor“, ein ständiger Dialog mit unserem eigenen, geschärften Sprachbewusstsein: Ich lese meine Übersetzung gleichsam mit fremden Augen, prüfe, ob meine Fassung tatsächlich zeigt, was das Original bereithält – und was das Deutsche kann. Durch Textarbeit an den eingereichten Übersetzungen, Deutsch-Übungen sowie Referate zum Sprachpaar Georgisch-Deutsch will das Seminar diesen „inneren Lektor“ trainieren.

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Poesie-Übersetzer-Werkstatt. Sprachübergreifendes Seminar zum Übersetzen von Lyrik
12. bis 16. November 2017 | im Literaturhaus München | Leitung: Marie Luise Knott und Ulf Stolterfoht

Bereits zum vierten Mal findet diesen November die Werkstatt zum Lyrikübersetzen statt, und nachdem die Vorgängerveranstaltungen schon im Titel thematische Schwerpunkte setzten: „Text, Form, Klang“ (2011), „Regeln, was tun?“ (2013) und „Stimmen hören“ (2015), möchten wir in diesem Jahr auf eine Betitelung verzichten, einfach deshalb, weil die vergangenen Seminare gezeigt haben, dass es, unabhängig von unseren thematischen Vorgaben, immer wieder um dieselben Probleme ging, die mit den oben zitierten Titeln recht gut umrissen sind, dass aber nichtsdestotrotz jedes einzelne Gedicht, jeder einzelne Vers seine eigene, ganz spezielle Herangehensweise verlangt. Und dass sich diese Methoden durchaus widersprechen können, manchmal sogar innerhalb desselben Gedichts. Wobei hier nicht einem lockeren „Anything goes“ das Wort geredet werden soll, sondern vielmehr einer übersetzerischen Redlichkeit, der Unterschiede im Kleinen wichtiger sind als die Erfüllung fragwürdiger Konsistenzforderungen. Und wir hätten mit „Jede Jeck is anders“ doch noch einen Arbeitstitel gefunden!
Bewerben kann sich jeder und jede mit einem lyrischen Übersetzungsvorhaben - aus welcher Fremdsprache auch immer. Alle Projekte werden im Seminar vorgestellt und von der Gruppe ausführlich besprochen. Dafür stehen jeweils etwa zwei Stunden zur Verfügung, es wird also tatsächlich möglich sein, ins Detail zu gehen. Zusätzlich werden wir SpezialistInnen von außen einladen, die in Referaten und Diskussion besondere Aspekte des Lyrikübersetzens behandeln.

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ViceVersa: Deutsch-Iranische Übersetzerwerkstatt (Farsi)
12.-18. November 2017 | im Literarischen Colloquium Berlin | Leitung: Jutta Himmelreich und Mahmoud Hosseini Zad

Wir laden ein zur ersten Übersetzerwerkstatt Farsi und Deutsch. Das Format der bilingualen Werkstattgespräche als Austausch unter Kolleginnen und Kollegen („ViceVersa“) ist seit vielen Jahren erprobt und wurde zum Vorbild für viele andere Fortbildungen. Im Fokus steht die intensive Diskussion der eingereichten, noch unabgeschlossenen und unpublizierten Übersetzungen. Die Texte zirkulieren vorab, zur Vorbereitung wird eine kritische Lektüre der Texte erwartet. Eine deutsche Übersetzerin und ein iranischer Übersetzer strukturieren und moderieren die Seminararbeit. Die Werkstatt ist offen für 10 (möglichst 5 deutsch- und 5 persischsprachige) LiteraturübersetzerInnen mit Publikationserfahrung und Interesse an einem vertieften Austausch über das Übersetzen und die Vermittlung unserer Literaturen im jeweils anderen Kulturraum.
Es können alle Sorten von Texten – Belletristik, Lyrik, Theater, Essay, Jugendbuch, Sachbuch etc. – eingereicht werden.

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ViceVersa: Deutsch-Bosnisch/Kroatisch/Serbische Übersetzerwerkstatt
23. bis 28. Oktober 2017 | im Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen | Leitung: Helen Sinković, Dr. Brigitte Döbert

Wir laden ein zur Übersetzerwerkstatt Deutsch-BKS, bei der Literaturübersetzerinnen und Literaturübersetzer ins Deutsche aus dem Bosnischen, Kroatischen, Montenegrinischen und Serbischen und Literaturübersetzerinnen und Literaturübersetzer aus dem Deutschen ins Bosnische, Kroatische, Montenegrinische und Serbische Gelegenheit bekommen, gemeinsam an eingereichten Projekten zu arbeiten, übersetzungsrelevante Themen zu diskutieren und sich über ihre berufspolitische Situation auszutauschen. Die Texte zirkulieren vorab, vorbereitend werden eine kritische Lektüre der Texte und eine reflektierte Vorstellung des eigenen Textes erwartet. Die Seminarleiterinnen strukturieren und moderieren die Seminararbeit. Die Debatte wird überwiegend vom konkreten Textbeispiel ausgehen, Lösungsmöglichkeiten erörtern sowie spezifische Probleme des Übersetzens in und aus den jeweiligen Sprachen zusammentragen. Daneben soll Raum sein für eine grundsätzliche Verständigung über übersetzungsrelevante Themen.
Die Werkstatt ist offen für insgesamt zwölf TeilnehmerInnen. Angestrebt wird eine gleichgewichtige Berücksichtigung von ÜbersetzerInnen aus dem Deutschen und ins Deutsche.

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Wir über uns

Aufgaben und Ziele

Die Vermittlung fremdsprachiger Literatur im Deutschen lebt von der Arbeit der Übersetzerinnen und Übersetzer. Übersetzungen erweitern nicht nur unseren Horizont und unser Verständnis für fremde Kulturen, sie bereichern auch unsere Sprache und das literarische Leben. Je höher die Übersetzungskultur, desto reicher und lebendiger bleibt das Deutsche.

Wie die anderen Künste ist die Übersetzungskunst auf öffentliche Förderung angewiesen. Diese Einsicht setzte sich in Deutschland in mehreren Schüben durch: mit ersten Stipendien in den 70er Jahren in Baden-Württemberg, später auch in einzelnen anderen Bundesländern, mit der Gründung des Europäischen Übersetzer-Kollegiums in Straelen (1978) und schließlich mit der Etablierung des Deutschen Übersetzerfonds e.V. (DÜF). Rosemarie Tietze, Übersetzerin russischer Literatur und erste DÜF-Vorsitzende 1997-2009, hatte mit der Einberufung zweier Konferenzen Mitte der neunziger Jahre die Initiative für eine qualitätsorientierte und überregional wirksame Übersetzerförderung ergriffen; die Vereinsgründung mit acht in der Übersetzerförderung aktiven literarischen Institutionen im September 1997 schuf den dafür nötigen organisatorischen Rahmen. Gründungsort und Sitz der Geschäftsstelle des Deutschen Übersetzerfonds ist das Literarische Colloquium Berlin.

Seit 1998 erhält der Deutsche Übersetzerfonds regelmäßige Zuwendungen des Bundes. Größter Mittelgeber ist die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), dazu kommen Mittel des Auswärtigen Amts, der Kulturstiftung der Länder und der Robert Bosch Stiftung GmbH.

Seinen Zweck erfüllt der Deutsche Übersetzerfonds insbesondere durch die Vergabe von Stipendien an Übersetzerinnen und Übersetzer. In der „Akademie der Übersetzungskunst“ werden neue Formen des Erfahrungsaustausches, der Wissensvermittlung und der Nachwuchsförderung entwickelt: Grundlagenseminare, thematische Workshops, internationale Projekte. Das breit gefächerte Förderprogramm „Toledo - Übersetzer im Austausch der Kulturen“, Resultat der langjährigen Zusammenarbeit mit der Robert Bosch Stiftung GmbH, unterstützt die literarischen Übersetzerinnen und Übersetzer darin, ihre Mittlerrolle zwischen den Kulturen und Sprachräumen aktiv auszuüben.

Geschäftsstelle

Vorstand:

Thomas Brovot (Vorsitzender)
Ulrich Blumenbach (Stellvertretender Vorsitzender)
Marie Luise Knott

Geschäftsführer:

Jürgen Jakob Becker, Tel. 030 / 81 69 96-25
becker [​at​] lcb.de

Mitarbeit:

Nina Thielicke, Tel. 030 / 80 49 08 56
thielicke [​at​] uebersetzerfonds.de

Eva Laderick, Tel. 030 / 80 49 08 56
laderick [​at​] uebersetzerfonds.de

TOLEDO-Projektkoordination:

Aurélie Maurin, Tel. 030 / 80 49 08 59
maurin [​at​] uebersetzerfonds.de

Post- und Besucheradresse:

Deutscher Übersetzerfonds
c/o Literarisches Colloquium Berlin
Am Sandwerder 5
14109 Berlin
Tel. 030 / 80 49 08 56
Fax 030 / 80 49 08 57
mail [​at​] uebersetzerfonds.de

Bankverbindung:

IBAN: DE33100100100807116103
BIC: PBNKDEFF

Vereinsmitglieder

Der Deutsche Übersetzerfonds ist ein gemeinnütziger Verein und hat seinen Sitz im Literarischen Colloquium Berlin. Zu seinen Gründungsmitgliedern zählen acht in der Literaturförderung aktive Vereine und Institutionen:

Der ehrenamtliche Vorstand besteht aus den ÜbersetzerInnen Thomas Brovot (Vorsitzender), Ulrich Blumenbach (Stellvertretender Vorsitzender) und Marie Luise Knott; Geschäftsführer ist Jürgen Jakob Becker vom Literarischen Colloquium Berlin.

Publikationen

„Denn wir haben Deutsch. Luthers Sprache aus dem Geist der Übersetzung“ (Hrsg. Marie Luise Knott, Thomas Brovot, Ulrich Blumenbach)

Martin Luthers Rolle als Gründerfigur der neuzeitlichen deutschen Literatur ist vielfach beschrieben; seine Sprachkraft, die über Jahrhunderte die Menschen anregte, lebt nicht zuletzt aus dem Geist einer selbstbewussten übersetzerischen Position. »Denn wir haben Deutsch« versammelt Beiträge, an denen sich Luthers unerschöpfliche Freude, auch sprachlich neue Wege zu gehen, ablesen lässt, eine Freude, die ansteckend wirkt – auf Gläubige wie Ungläubige. Literaturübersetzer und Schriftsteller befragen darin, angestiftet vom Deutschen Übersetzerfonds, den Sprachschöpfer und Sätzebauer Martin Luther: Die einen untersuchen den Reichtum von Luthers Sprachregister oder erkunden den Satzbau, die Metaphorik im Buch Hiob sowie die Komposition der Psalmen; andere erfreuen sich an der »parataktischen Schwärze« zwischen den Sätzen oder beklagen, wie Luthers Idee vom »guten Deutsch« in der Geschichte missbraucht wurde.

Das Buch ist erschienen bei Matthes & Seitz Berlin, 2016.


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„Mit anderen Worten. Zur Poetik der Übersetzung“ (Hrsg. Von Marie Luise Knott, Georg Witte)

Ohne die Übersetzer wäre »Weltliteratur« ein leerer Begriff. Doch was ist das: Übersetzen? Jeder Übersetzer gibt eine andere Auskunft, und für jedes Buch stellt sich aufs Neue die Frage: Wie kann man einen Text durch das Niemandsland zwischen den Sprachen tragen? Was ist Stil, was ästhetisches Gehör, warum ist Übersetzung mehr als gesteigertes Verstehen? Und, über solche Fragen des singulären Übersetzungsakts hinaus: Wie bringen Übersetzungen Literatur in Bewegung und auf die Reise? Wie verhalten wir uns zur Rolle der Übersetzung als literaturgeschichtlichem Ferment? »Mit anderen Worten« versammelt Beiträge der ersten sieben Jahre der Wilhelm Schlegel Gastprofessur zur Poetik der Übersetzung an der FU Berlin.

Das Buch ist erschienen bei Matthes & Seitz Berlin, 2014.


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„Im Bergwerk der Sprache. Eine Geschichte des Deutschen in Episoden“ (Hrsg. von Gabriele Leupold und Eveline Passet)

Ein exemplarischer Abriss der deutschen Sprachgeschichte in 16 Episoden – ein Kompendium für konkrete Fragen und eine genussvolle Lektüre.
Wie erkläre ich einem Ausländer das deutsche »tja«? Ist »der Mann, wo da geht« tatsächlich nur in Süddeutschland gebräuchlich? Wodurch zeichnet sich »Kiezdeutsch« aus, und was macht es dem k.k.-Migrantenslang und der »lagerszpracha« vergleichbar? Warum sind die Schachtelsätze des Barock heute so schwer zu lesen? Und was erzeugt den Stakkato-Sound in manchen zeitgenössischen Texten? – Solche Fragen stellt sich, wer Belletristik liest oder selbst in Blogs schreibt, ob er die Sprache eher über das Ohr aufnimmt oder in schriftlicher Form. Besonders aber interessiert es jeden, der sich– schriftlich oder mündlich – selbst sprachlich äußern will, ob privat oder in einem professionellen Rahmen oder gar als Autor und Übersetzer. Er stößt bald auf eine Reihe von Gegensätzen, die in der Sprache in Balance gehalten werden: Norm und Abweichung, Slang und Standardsprache, Dialekt und »Hochdeutsch«, prestigeträchtige und verpönte Varietäten und Formen, Migration und Mischsprachen, Modernisierung und Konservierung … Das Interesse am »richtigen« (oder: angemessenen) Gebrauch der deutschen Sprache ist in den letzten Jahren enorm gewachsen – die Beschäftigung mit Geschichte der Sprache hilft dabei.

Erschienen im Wallstein Verlag, 2012.

„In Ketten tanzen. Übersetzen als interpretierende Kunst“ (Hrsg. von Gabriele Leupold und Katharina Raabe)

Literarisches Übersetzen als Aufführung oder Darstellung – wie weit führt dieser Gedanke? »Es sich schwer machen und dann die Täuschung der Leichtigkeit darüber breiten das ist das Kunststück, welches sie uns zeigen wollen.« Was Nietzsche über die griechischen Künstler und Dichter sagt, trifft auch auf die Arbeit von Schauspielern, Musikern und Übersetzern zu. Sie alle wissen, was es heißt, wenn etwas nach langem Üben und Probieren endlich »stimmt«. Gemeinsam ist ihrer Arbeit die Interpretation eines Textes, der sich in einem nachschöpferischen Prozeß in etwas anderes verwandelt: in die Darstellung auf der Bühne, in eine Studioeinspielung, in ein Buch. Dass Sprechkunst und Klangkunst, die stimmliche Darstellung von Texten und musikalische Aufführung sich als Übersetzungen einer Notation in einen zeitlichen Verlauf fassen lassen, leuchtet unmittelbar ein. Die Resultate, greifbar in Tondokumenten, sind Gegenstand der Interpretationsgeschichte, wie die Übersetzungen kanonischer Texte auch. Übersetzer, Musiker und Theaterleute, Musik- und Literaturwissenschaftler, Philosophen und Theologen denken nach über die Unausschöpfbarkeit des Originals und den Weg zur eigenen Interpretation, über den vielfältigen Zwang und die kreative Lücke, über große Verantwortung und kleine Freiheiten.

Erschienen im Wallstein Verlag, 2008.

Pressemitteilungen

Pressemitteilung: Pociao gewinnt den DeLillo-Übersetzungswettbewerb des Deutschen Übersetzerfonds und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Pressemitteilung vom 20.10.2017

Die in Bonn und Tanger lebende Übersetzerin Pociao hat den DeLillo-Übersetzungswettbewerb des Deutschen Übersetzerfonds und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gewonnen. Der mit 2.000 € dotierte und von der Kulturstiftung der Länder gestiftete Preis wurde am Freitagabend als Abschluss des Symposiums zum 20. Jubiläum des Deutschen Übersetzerfonds überreicht.

Gegenstand des öffentlichen Wettbewerbs war eine deutsche Übersetzung des hierzulande wenig bekannten und noch nicht übersetzten Frühwerks Don DeLillos, der  Anfang des Romans  „Great Jones Street“ aus dem Jahr 1973. Eine Fachjury (Ulrich Blumenbach, Kerstin Gleba, Andreas Jandl, Miriam Mandelkow und Andreas Platthaus) hatte mehr als 400 Einsendungen – in der großen Mehrzahl von übersetzenden Laien – zu prüfen.

Die Wahl der Jury fiel auf Pociaos Version, denn:

„Pociao schöpft aus dem Vollen, und in ihrer Übersetzung gibt es immer wieder Anlässe zum Jubeln. Das geht beim ersten Satz los, einem Paukenschlag, dessen Dröhnen wiederhergestellt wird: „Ruhm erfordert Exzesse jeglicher Art.“ Oder um ein anderes Beispiel zu nehmen: Das unauffällige Adjektiv „visceral“ ist ein semantischer Cocktail aus konkreten Eingeweiden und figurativem Bauchgefühl, der einen Englischübersetzer zur Verzweiflung treiben kann, aber der Ausdruck ist nicht unübersetzbar, wie Pociao beweist, bei der aus „There was less sense of simple visceral abandon at our concerts during these last weeks“ der Satz wird: „In diesen letzten Wochen hatten schlichte, hemmungslose Ausschreitungen bei unseren Konzerten spürbar nachgelassen.“ Bei all dem war eigene Kreativität gefragt, all das geht über das Handwerk hinaus, all das ist wahre Kunst des Übersetzens. Und ein Buch fängt an zu klingen, trifft man nur das Zauberwort.“

Pociao studierte nach längeren Aufenthalten in London und New York Anglistik, Germanistik und vergleichende Literaturwissenschaften in Bonn. Anfang der 70er Jahre Gründung von Pociao’s Books, einem Vertrieb für experimentelle Literatur aus der amerikanischen Small-Press-Szene für den europäischen Raum, Mitarbeit beim Verlag Expanded Media Editions und Mitte der 90er Jahre zusammen mit der Komponistin Ulrike Haage Gründung des eigenen Verlags Sans Soleil. Übersetzung zahlreicher Autoren aus den Vereinigten Staaten, England und Spanien, darunter Paul und Jane Bowles, Gore Vidal, William S. Burroughs, Bill Ayers, Patti Smith, Laurie Anderson, Zelda Fitzgerald, Adam Haslett, Tom Robbins, Nicholas Christopher, Gina Ochsner, Evelyn Waugh und Jeremy Reed. Pociao, die auch als Autorin zahlreicher Features über Clarice Lispector oder Mohamed Choukri hervorgetreten ist,  lebt in Bonn und Tanger.

Ein Anliegen des Wettbewerbs ist die Diskussion der Frage, ob und inwieweit sich das Literaturübersetzen in Deutschland  in den vergangenen Jahrzehnten weiterentwickelt hat. In einem F.A.Z.-Beitrag am Samstag, 21. Oktober 2017 geht Ulrich Blumenbach auf die Befunde des Wettbewerbs ein. Dort werden auch DeLillos Originaltext und Pociaos deutsche Übersetzung nachzulesen sein.

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Pressemitteilung: Der Deutsche Übersetzerfonds wird 20 Jahre alt
Pressemitteilung vom 19.10.2017

Sein 20-jähriges Gründungsjubiläum feiert der Deutsche Übersetzerfonds (DÜF) am heutigen Abend im Literarischen Colloquium Berlin.
Der Deutsche Übersetzerfonds (DÜF) hat die Förderung literarischer Übersetzerinnen und Übersetzer in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit einer Vielfalt an Instrumenten und neuen Inhalten Gestalt werden lassen. Der heutige Festakt mit Reden von Staatsministerin Monika Grütters, Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe und DÜFVorsitzenden Thomas Brovot ist verbunden mit der Eröffnung der von Marie Luise Knott und Andreas Tretner kuratierten Ausstellung „Urbans Orbit. Einblicke in den Nachlass eines Übersetzers“. Sie zeigt den großen Übersetzer Peter Urban (1941-2013) als leidenschaftlichen Čechov-Philologen, als Anwalt und Vermittler der Werke Velimir Chlebnikovs, als Wegbegleiter zeitgenössischer Autoren. Hervorgegangen ist die Ausstellung aus einer Sichtung des im Deutschen Literaturarchiv Marbach aufbewahrten Nachlasses. „Urbans Orbit“ wird bis zum 8. Februar 2018 vor und nach den Veranstaltungen im Literarischen Colloquium zu sehen sein. Am 20. Oktober 2017 wird sich ein ganztägiges Symposium mit dem Titel „Zaitenklänge“ – eine Wortschöpfung aus einer Chlebnikov-Übersetzung von Gerhard Rühm – exemplarischen Geschichten aus der Geschichte der Übersetzung widmen. Detailplan hier.

Anlässlich seines 20-jährigen Jubiläums hat der DÜF im Sommer gemeinsam mit der FAZ einen Übersetzerwettbewerb ausgelobt und eine Fachjury damit betraut, die mehr als 400 Einsendungen zu begutachten. Am Freitag, 20. Oktober um 19 Uhr nun wird, zum Abschluss des Symposiums die herausragende deutsche Übersetzung eines hierzulande wenig bekannten Frühwerks Don DeLillos gekürt, der Anfang des Romans „Great Jones Street“ aus dem Jahr 1973. Nebenbei stellt der Wettbewerb die Frage, ob und vor allem auf welche Weise sich das Literaturübersetzen in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten weiterentwickelt hat.

Pressemitteilung als PDF zum Download

Stipendien

Einleitung

Die Vergabe von Stipendien gehört zum Kernbereich des Deutschen Übersetzerfonds. Gefördert werden Übersetzerinnen und Übersetzer fremdsprachiger Werke ins Deutsche, sofern die Übersetzung dieser Werke eine anspruchsvolle sprachliche, literarische Gestaltung im Deutschen erfordert.

Es werden gegenwärtig sechs verschiedene Formen individueller Förderung angeboten:

  • Arbeitsstipendien ermöglichen längeres und intensiveres Arbeiten an einem Projekt, Recherche und Nachbearbeitung. Die Höhe variiert nach Art und Umfang des Werkes.
  • Reisestipendien dienen der Recherche, dem Gespräch mit Autoren oder der Auffrischung sprachlicher und landeskundlicher Kenntnisse.
  • Das Johann-Joachim-Christoph-Bode-Stipendium stellt den Stipendiaten erfahrene Mentoren zur Seite.
  • Das Luise-Adelgunde-Victorie-Gottsched-Stipendium dient der persönlichen Weiterbildung.
  • Das Barthold-Heinrich-Brockes-Stipendium ermöglicht einem erfahrenen Kollegen / einer erfahrenen Kollegin ein „sabbatical“.
  • Aufenthaltsstipendien im Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen (Nordrhein-Westfalen),
  • Aufenthaltsstipendien im Collège International des Traducteurs Littéraires in Arles (Frankreich)
  • Aufenthaltsstipendien im Baltic Centre for Writers and Translators in Visby (Schweden) und
  • Aufenthaltsstipendien im Übersetzerhaus Looren (Schweiz) bieten neben einer Spezialbibliothek vor allem eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre und den Austausch mit internationalen Kollegen.

Die Stipendienvergabe erfolgt zweimal jährlich jeweils zum 31. März und zum 30. September über ein Bewerbungsverfahren.

Die Fachjury entscheidet in der Regel innerhalb von acht Wochen nach Bewerbungsschluss über die Stipendien.

Die für die einzelnen Stipendienarten einzureichenden Antragsunterlagen sind den jeweiligen Ausschreibungen zu entnehmen.

Arbeitsstipendien

Was ist ein Arbeitsstipendium?

Die Gewährung eines Arbeitsstipendiums ermöglicht Übersetzern, länger und intensiver an einem Text zu arbeiten. Denn die sprachlich komplexe Gestaltung, die Nachdichtung einer anspruchsvollen Vorlage im Deutschen, der Einsatz eines reichen Wortschatzes und das Ausfeilen der Syntax kosten viel mehr Zeit, als die gängigen, selbst die als “gut” geltenden Honorare abdecken. Aber auch aufwendige Studien, von der Internetrecherche bis zur Datenbankabfrage, vom Lesepensum im Umkreis eines zu übersetzenden Werkes und der Sekundärliteratur bis zur Interpretation und Nachbearbeitung besonders schwieriger Textstellen werden mit Hilfe von Arbeitsstipendien auf eine seriös zu kalkulierende Grundlage gestellt. Auch bei den Arbeitsstipendien wird nach Art und Umfang der Projekte differenziert. Die Stipendien bewegen sich in der Regel zwischen 1.000 € und 10.000 €.

Bewerbungsformular

Wir bitten darum, das Online-Bewerbungsformular (Link) auszufüllen und abzuschicken. Sie erhalten daraufhin eine Bestätigung per Email.

Die Angaben werden nur für Zwecke der Antragsbearbeitung verwendet. Im Falle einer Förderung wird jedoch vorausgesetzt, daß die Empfänger der Förderung mit der Veröffentlichung ihres Namens in den Mitteilungen des Deutschen Übersetzerfonds einverstanden sind.

Außerdem sind in siebenfacher Ausfertigung (sieben identische, getrennte Stapel; bitte ohne Spiralbindung oder Heftnadeln; gern papiersparend kopiert) einzureichen:

  • Kurzbiographie, beruflicher Werdegang
  • Verzeichnis der Veröffentlichungen und ggf. Auszeichnungen
  • Angaben über gleichzeitige Stipendienanträge bei anderen Stellen sowie über Stipendien in den letzten drei Jahren
  • kurze Charakteristik des zu übersetzenden Werks (max. 1 Seite)
  • Kopie des Verlagsvertrags
  • 10 Manuskriptseiten der Übersetzung
  • Kopie der entsprechenden Stelle des Originals
  • Kalkulation des voraussichtlichen Manuskriptumfangs und der benötigten Arbeitszeit

Anschrift:
Deutscher Übersetzerfonds
c/o Literarisches Colloquium Berlin
Am Sandwerder 5
14109 Berlin

Einsendeschluss für Anträge: zweimal jährlich, jeweils am 31. März und am 30. September

Reisestipendien

Was ist ein Reisestipendium?

Reisestipendien ermöglichen dem Übersetzer entweder Recherchen zu einem bestimmten Buchprojekt oder verhelfen ihm durch eine zwei- bis vierwöchige Reise ins Land seiner Ausgangssprache zur Auffrischung seiner sprachlichen und landeskundlichen Kenntnisse. Die Höhe des Stipendiums richtet sich nach den tatsächlichen Reisekosten (Fahrtkosten und Unterkunft, in der Regel zwischen 500 € und 4.000 €).

Bewerbungsformular

Wir bitten darum, das Online-Bewerbungsformular (Link) auszufüllen und abzuschicken. Sie erhalten daraufhin eine Bestätigung per Email.

Die Angaben werden nur für Zwecke der Antragsbearbeitung verwendet. Im Falle einer Förderung wird jedoch vorausgesetzt, daß die Empfänger der Förderung mit der Veröffentlichung ihres Namens in den Mitteilungen des Deutschen Übersetzerfonds einverstanden sind.

Außerdem sind in siebenfacher Ausfertigung (sieben identische, getrennte Stapel; bitte ohne Spiralbindung oder Heftnadeln; gern papiersparend kopiert) einzureichen:

  • Kurzbiographie, beruflicher Werdegang
  • Verzeichnis der Veröffentlichungen und ggf. Auszeichnungen
  • Angabe über gleichzeitige Stipendienanträge bei anderen Stellen sowie über Stipendien in den letzten drei Jahren

dazu:

a) bei Reisen in Verbindung mit einem bestimmten Übersetzungsprojekt:

  • kurze Charakteristik des zu übersetzenden Werks (max. 1 Seite) und Begründung des Reisevorhabens
  • Kopie des Verlagsvertrags
  • 10 Manuskriptseiten der Übersetzung
  • Kopie der entsprechenden Stelle des Originals
  • Kalkulation der voraussichtlichen Dauer und der Kosten der Reise

b) bei allgemein landeskundlichen Reisen:

  • ausführliche Begründung des Reiseprojekts
  • Kalkulation der voraussichtlichen Dauer und der Kosten der Reise
  • 10 Manuskriptseiten einer in Arbeit befindlichen Übersetzung

Anschrift:
Deutscher Übersetzerfonds
c/o Literarisches Colloquium Berlin
Am Sandwerder 5
14109 Berlin

Einsendeschluss für Anträge: zweimal jährlich, jeweils am 31. März und am 30. September

Bode-Stipendien

Was ist ein Johann-Joachim-Christoph-Bode-Stipendium?

Literaturübersetzer bedauern zuweilen, daß sie sich in ihrem einsamen Beruf mit niemandem beraten können, sei es in den unsicheren Anfangsjahren, sei es später, angesichts eines ungewöhnlichen Textes. Wie viele Schnitzer hätten sie vermieden, wie viele Zweifel und Irrwege sich erspart, wenn sie ab und zu vom Erfahrungsschatz bewanderter Kollegen hätten profitieren können.

Damit nicht jeder – und immer wieder – das Rad neu erfinden muss, schreibt der Deutsche Übersetzerfonds das Johann-Joachim-Christoph-Bode-Stipendium für Literaturübersetzer aus. Ein erfahrener Kollege wird dem Stipendiaten als Mentor zur Seite gestellt und soll ihn mit sicherer Hand über die Hürden und durch die Untiefen des Textes geleiten. Jede der beiden Seiten erhält vom Deutschen Übersetzerfonds für diesen privaten Workshop - je nach Art und Umfang des Projekts - einen Betrag zwischen 2.000 - 4.000 €. Voraussetzung ist, dass es sich um ein Übersetzungsprojekt handelt, für das ein Verlagsvertrag besteht.

Johann Joachim Christoph Bode (1730-1793), berühmt für seine Übersetzungen aus dem Englischen (Sterne, Goldsmith, Fielding) und Französischen, war von Haus aus Musiker und hatte sich Sprachen in Nachtarbeit allein beigebracht. Als streitbarer Literat ergriff er auch oftmals selbst das Wort; in seiner legendären Ausgabe der „Essais“ von Montaigne stellte er mitten im Text einen „jungen Freund“ und Kollegen vor, dem er die Übersetzung der eingestreuten Sonette aufgetragen hatte.

Bewerbungsformular

Wir bitten darum, das Online-Bewerbungsformular (Link) auszufüllen und abzuschicken. Sie erhalten daraufhin eine Bestätigung per Email.

Die Angaben werden nur für Zwecke der Antragsbearbeitung verwendet. Im Falle einer Förderung wird jedoch vorausgesetzt, daß die Empfänger der Förderung mit der Veröffentlichung ihres Namens in den Mitteilungen des Deutschen Übersetzerfonds einverstanden sind.

Außerdem sind in siebenfacher Ausfertigung (sieben identische, getrennte Stapel; bitte ohne Spiralbindung oder Heftnadeln; gern papiersparend kopiert) einzureichen:

  • Kurzbiographie, beruflicher Werdegang
  • Verzeichnis bisheriger Veröffentlichungen
  • Angaben über gleichzeitige Stipendienanträge bei anderen Stellen sowie ggf. über bisherige Stipendien
  • kurze Charakteristik des zu übersetzenden Werks (max. 1 Seite)
  • Kopie des Verlagsvertrags
  • 10 Manuskriptseiten der Übersetzung
  • Kopie der entsprechenden Stelle des Originals
  • Kalkulation des voraussichtlichen Manuskriptumfangs

Anschrift:
Deutscher Übersetzerfonds
c/o Literarisches Colloquium Berlin
Am Sandwerder 5
14109 Berlin

Einsendeschluss für Anträge: zweimal jährlich, jeweils am 31. März und am 30. September

Gottsched-Stipendien

Was ist ein Luise-Adelgunde-Victorie-Gottsched-Stipendium?

Jeder zu übersetzende Text entführt in seine eigene Welt – und so begleitet den Literaturübersetzer lebenslanges Lernen. Doch läßt der Alltag nie genug Luft, damit sich der Übersetzer mit der gebotenen Sorgfalt auf eine neue Sonder- oder Fachsprache einläßt, ein neues Themenfeld beackert. Oder gar eine seit Jahren brachliegende Fremdsprache reaktiviert und so seine beruflichen Chancen mehrt.

Um professionellen Literaturübersetzern einen solchen „Bildungsurlaub“ zu ermöglichen, schreibt der Deutsche Übersetzerfonds das Luise-Adelgunde-Victorie-Gottsched-Stipendium aus. Der Stipendiat erhält den Betrag von € 3.000 und kann sich eine Zeitlang gezielt und konzentriert um seine persönliche Weiterbildung kümmern.

Luise Adelgunde Victorie Gottsched (1713-1762), Übersetzerin von Pope, Molière, Addison u.a., Verfasserin von Satiren, Rezensionen und gewitzten Vorreden, galt als eine der geistreichsten und gebildetsten Frauen Ihrer Zeit. Lessing rühmte: „Sie schrieb ihre Muttersprache gewiß um sehr viel besser als ihr lieber Gatte“. Dennoch musste die „Gottschedin“ heimlich vor der Tür draußen sitzen, wenn sie, als Frau, den Vorlesungen ihres Mannes an der Universität lauschen wollte.

Bewerbungsformular

Für eine Bewerbung bitten wir darum, das Online-Bewerbungsformular (Link) auszufüllen und abzuschicken. Sie erhalten daraufhin eine Bestätigung per Email.

Die Angaben werden nur für Zwecke der Antragsbearbeitung verwendet. Im Falle einer Förderung wird jedoch vorausgesetzt, daß die Empfänger der Förderung mit der Veröffentlichung ihres Namens in den Mitteilungen des Deutschen Übersetzerfonds einverstanden sind.

Für die Bewerbung sind außerdem in siebenfacher Ausfertigung (sieben identische, getrennte Stapel; bitte ohne Spiralbindung oder Heftnadeln; gern papiersparend kopiert) einzureichen:

  • Kurzbiographie, beruflicher Werdegang
  • ausführliche Bibliographie
  • Planskizze für das Bildungsvorhaben
  • 10 Manuskriptseiten einer Übersetzung aus jüngerer Zeit
  • Kopie der entsprechenden Stelle des Originals
  • Angaben über gleichzeitige Stipendienanträge bei anderen Stellen sowie über bisherige Stipendien

Anschrift:
Deutscher Übersetzerfonds
c/o Literarisches Colloquium Berlin
Am Sandwerder 5
14109 Berlin

Einsendeschluss für Anträge: zweimal jährlich, jeweils am 31. März und am 30. September

Brockes-Stipendien

Was ist ein Barthold-Heinrich-Brockes-Stipendium?

Wissenschaftler bekommen Freisemester, um unbeschwert lesen und forschen zu können. Und Übersetzer? Wer jahrelang unter Finanz- und Termindruck arbeitet, fühlt sich oft wie ausgebrannt. Die Sprachreservoire im Gehirn müßten durch deutsche Lektüre aufgefüllt, die Informationen über die fremde Literatur auf den aktuellen Stand gebracht werden - sei es in der nächsten Bibliothek, sei es im Ausland, auf landeskundlichen Reisen.Vielleicht wäre es auch an der Zeit, einmal das Übersetzen und seine Poetik zu reflektieren?

Um erfahrenen, seit Jahren tätigen Literaturübersetzern eine solche schöpferische Auszeit zu ermöglichen, schreibt der Deutsche Übersetzerfonds das Barthold-Heinrich-Brockes-Stipendium aus. Der Stipendiat erhält den Betrag von € 8.000, um sich eine Zeitlang ausschließlich der Stärkung seiner Sprachkraft widmen zu können. Dieses Stipendium ist zugleich eine Auszeichnung für das bisherige übersetzerische Werk.

Barthold Heinrich Brockes (1680-1747), Dichter und Hamburger Ratsherr, Übersetzer von Pope, Milton u.a. Dank einem beträchtlichen Vermögen konnte er Bildungsreisen unternehmen und sich in Muße den schönen Künsten widmen.

Bewerbungsformular

Wir bitten darum, das Online-Bewerbungsformular (Link) auszufüllen und abzuschicken. Sie erhalten daraufhin eine Bestätigung per Email.

Die Angaben werden nur für Zwecke der Antragsbearbeitung verwendet. Im Falle einer Förderung wird jedoch vorausgesetzt, daß die Empfänger der Förderung mit der Veröffentlichung ihres Namens in den Mitteilungen des Deutschen Übersetzerfonds einverstanden sind.

Außerdem sind in siebenfacher Ausfertigung (sieben identische, getrennte Stapel; bitte ohne Spiralbindung oder Heftnadeln; gern papiersparend kopiert) einzureichen :

  • Kurzbiographie, beruflicher Werdegang
  • ausführliche Bibliographie
  • Skizze der Pläne für die übersetzungsfreie Zeit
  • Angaben über gleichzeitige Stipendienanträge bei anderen Stellen sowie über bisherige Stipendien.

Anschrift:
Deutscher Übersetzerfonds
c/o Literarisches Colloquium Berlin
Am Sandwerder 5
14109 Berlin

Einsendeschluss für Anträge: zweimal jährlich, jeweils am 31. März und am 30. September

Aufenthaltsstipendien

Was ist ein Aufenthaltsstipendium?

Schreiben in konzentrierter Atmosphäre, Nutzung einer auf Übersetzerbelange ausgerichteten Bibliothek, Erfahrungsaustausch mit Kollegen: ein Aufenthalt in einem Übersetzerhaus bringt die Arbeit an Übersetzer-Projekten voran. Der Deutsche Übersetzerfonds vergibt  Aufenthaltsstipendien für das Europäische Übersetzer-Kollegium in Straelen (NRW), im Collège International des Traducteurs Littéraires (Frankreich), im Baltic Centre for Writers and Translators in Visby (Schweden) und im Übersetzerhaus Looren (Schweiz) an Literaturübersetzer. Die Stipendien sind für Aufenthalte von zwei bis vier Wochen vorgesehen und mit 400 € pro Woche dotiert.

Bewerbungsformular

Wir bitten darum, das Online-Bewerbungsformular (Link) auszufüllen und abzuschicken. Sie erhalten daraufhin eine Bestätigung per Email.

Die Angaben werden nur für Zwecke der Antragsbearbeitung verwendet. Im Falle einer Förderung wird jedoch vorausgesetzt, daß die Empfänger der Förderung mit der Veröffentlichung ihres Namens in den Mitteilungen des Deutschen Übersetzerfonds einverstanden sind.

Außerdem sind einzureichen (in siebenfacher Ausfertigung, d.h. sieben identische, voneinander getrennte Stapel, gerne papiersparend kopiert):

  • Kurzbiographie, beruflicher Werdegang
  • Verzeichnis bisheriger Veröffentlichungen
  • Angaben über gleichzeitige Stipendienanträge bei anderen Stellen sowie ggf. über Stipendien in den letzten drei Jahren
  • kurze Charakteristik des Arbeitsprojekts (max. 1 Seite)
  • 10 Manuskriptseiten der Übersetzung (evtl. auch einer anderen, in Arbeit befindlichen Übersetzung)
  • Kopie der entsprechenden Stelle des Originals
  • Angaben über die gewünschte Aufenthaltsdauer im EÜK

Anschrift:
Deutscher Übersetzerfonds
c/o Literarisches Colloquium Berlin
Am Sandwerder 5
14109 Berlin

Einsendeschluss für Anträge: zweimal jährlich, jeweils am 31. März und am 30. September

Weitere Informationen: www.euk-straelen.de, www.looren.net, www.bcwt.org, www.atlas-citl.org

Elmar-Tophoven-Mobilitätsfonds

Ausschreibung Elmar-Tophoven-Mobilitätsfonds (PDF)

Die Robert Bosch Stiftung finanziert aus Mitteln der DVA-Stiftung den Elmar-Tophoven-Mobilitätsfonds. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Übersetzerfonds werden daraus Arbeits- und Rechercheaufenthalte in Zusammenhang mit französisch-deutschen Übersetzungsprojekten sowie der Erforschung von Übersetzernachlässen gefördert.

Ziele

  • Eintauchen in die Kultur der Ausgangs- oder Zielsprache
  • Austausch und Vernetzung mit anderen Übersetzern oder Wissenschaftlern
  • Arbeitstreffen mit Autorinnen und Autoren
  • Besuch von Archiven
  • Recherche an Romanschauplätzen
  • Ermöglichung einer konzentrierten Arbeitsphase

Partnerinstitutionen

  • Centre International des Traducteurs Littéraires in Arles
  • Deutsches Literaturarchiv Marbach
  • Europäisches Übersetzer-Kollegium in Straelen
  • Fondation Maison des sciences de l’homme in Paris (Unterkunft in der Maison Suger)
  • Goethe-Institut Paris (Unterkunft im Centre Les Recollets)
  • Internationale Jugendbibliothek in München
  • Literarisches Colloquium Berlin
  • Übersetzerhaus Looren bei Zürich

Darüber hinaus sind auch selbst organisierte Aufenthalte an anderen Orten förderfähig.
Bewerbungen können jederzeit eingereicht werden, Aufenthalte in Paris und Marbach benötigen einen Vorlauf von mindestens vier Monaten. Die Entscheidung der Auswahlkommission erfolgt zeitnah.

Elmar Tophoven (1923-1989) gehörte zu den bedeutendsten Vermittlern französischer Literatur seiner Zeit und zu den engagiertesten Literaturübersetzern in der Bundesrepublik. Er übersetzte – teilweise gemeinsam mit seiner Ehefrau Erika Tophoven – Werke von Autoren wie Samuel Beckett, Alain Robbe-Grillet, Nathalie Sarraute und Claude Simon ins Deutsche. Auf seine Initiative geht die Gründung des Europäischen Übersetzer-Kollegiums in seiner Heimatstadt Straelen zurück.

Elmar-Tophoven-Mobilitätsfonds für Übersetzerinnen und Übersetzer

Der Elmar-Tophoven-Mobilitätsfonds für Übersetzerinnen und Übersetzer richtet sich an Literaturübersetzer der Sprachenkombination Französisch>Deutsch und Deutsch>Französisch und ermöglicht einen Arbeitsaufenthalt in deutsch- und französischsprachigen Ländern. Zusätzlich stellt der Fonds Mittel für Veranstaltungen zur Verfügung, in deren Rahmen das Übersetzungsprojekt präsentiert wird. Voraussetzung für die Bewerbung ist ein zu übersetzendes Werk folgender Gattungen: Roman, Kinder- und Jugendliteratur, Essayistik, geistes- und sozialwissenschaftliche Texte, Lyrik, Drama und Comic. Für das Übersetzungsvorhaben muss ein Verlagsvertrag vorliegen.

Bewerbungsunterlagen:

  • Vollständig ausgefülltes Bewerbungsformular inklusive Exposé des Übersetzungsvorhabens (Download)
  • Motivationsschreiben, das den Mehrwert des Aufenthalts für das Übersetzungsprojekt erläutert
  • Übersetzungsvertrag mit einem Verlag oder Theater
  • Angaben über erhaltene Förderungen in den letzten drei Jahren
  • Angaben zur Teilnahme an DÜF-Fortbildungen und Projekten, die von der DVA-Stiftung oder der Robert Bosch Stiftung („Literarische Brückenbauer“) gefördert wurden

 Leistungen:

  • Zuschuss in Höhe von 400 Euro pro Woche (für die Dauer von 2-4 Wochen)
  • Erstattung der Reisekosten
  • freie Unterkunft in den Häusern der genannten Partnerinstitutionen (je nach Verfügbarkeit); bei anderer Unterbringung können bis zu 300 Euro Unterkunftskosten pro Woche erstattet werden
  • Honorare und Reisekostenzuschüsse für Veranstaltungen in Zusammenhang mit den Übersetzungsprojekten

Nachweise:

  • Arbeitsbericht über den Aufenthalt sowie ein Porträtfoto
  • im Impressum der übersetzten Werke ist auf die Förderung durch die Robert Bosch Stiftung und den Deutschen Übersetzerfonds hinzuweisen
  • die Robert Bosch Stiftung, der Deutsche Übersetzerfonds und ggf. die gastgebende Institution erhalten je ein Belegexemplar der publizierten Übersetzung

Elmar-Tophoven-Mobilitätsfonds für die Erforschung von Übersetzernachlässen

Neben Arbeitsaufenthalten für Übersetzerinnen und Übersetzer fördert die Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Übersetzerfonds auch die Erforschung von Übersetzer-nachlässen. Voraussetzung für die Bewerbung ist ein Forschungsvorhaben in Zusammenhang mit einem übersetzerischen Nachlass. Zusätzlich stellt der Fonds Mittel für Veranstaltungen zur Verfügung, in deren Rahmen das Forschungsprojekt präsentiert wird.

Bewerbungsunterlagen:

  • Vollständig ausgefülltes Bewerbungsformular inklusive Exposé des Forschungsvorhabens (Download)
  • Motivationsschreiben, das den Mehrwert des Aufenthalts für das Forschungsvorhaben erläutert
  • Nachweis über Forschungsvorhaben (der Universität o.ä.)
  • Angaben über weitere erhaltene Förderungen

Leistungen:

  • Zuschuss in Höhe von 400 Euro pro Woche (für die Dauer von 2-4 Wochen)
  • Erstattung der Reisekosten
  • freie Unterkunft in den genannten Häusern (je nach Verfügbarkeit)
  • bei anderer Unterbringung können bis zu 300 Euro Unterkunftskosten pro Woche erstattet werden
  • Honorare und Reisekostenzuschüsse für Veranstaltungen in Zusammenhang mit den Forschungsprojekten

Nachweise:

  • Arbeitsbericht über den Aufenthalt sowie ein Porträtfoto
  • im Impressum der wissenschaftlichen Arbeit ist auf die Förderung durch die Robert Bosch Stiftung und den Deutschen Übersetzerfonds hinzuweisen
  • die Robert Bosch Stiftung, der Deutsche Übersetzerfonds und ggf. die gastgebende Institution erhalten je ein Belegexemplar der wissenschaftlichen Publikation

Kontakt:

Deutscher Übersetzerfonds
c/o Literarisches Colloquium Berlin
Am Sandwerder 5
14109 Berlin
Tel. ++49 – 30 – 80 49 08 56
mail@uebersetzerfonds.de
www.uebersetzerfonds.de

Richtlinien für alle Stipendien

Voraussetzung für die Bewilligung eines DÜF-Stipendiums ist ein entscheidungsreifer Antrag, der an die Geschäftsstelle des Deutschen Übersetzerfonds zu richten ist.

Anträge können grundsätzlich alle Übersetzerinnen und Übersetzer stellen, die nicht Mitglieder des Vorstands oder einer Jury des Deutschen Übersetzerfonds sind.

Bewerbungen werden jeweils zum 31. März und 30. September entgegengenommen. Über die Vergabe der Stipendien entscheidet eine fachkundige, unabhängige Jury, die innerhalb von zwei Monaten nach Bewerbungsschluss zusammentritt.

Die Bewilligung eines Arbeits- oder Reisestipendiums, eines Johann-Joachim-Christoph-Bode-Stipendiums und eines Aufenthaltsstipendiums ist gebunden an ein in Arbeit befindliches Übersetzungsprojekt mit Zielsprache Deutsch, für das ein Verlagsvertrag vorliegt. Der Verlagsvertrag soll die branchenüblichen Honorare nicht ohne triftigen Grund zu Lasten der Übersetzerin oder des Übersetzers unterschreiten. Günstigere Vertragsbedingungen und höhere Honorare können  bei der Bewilligung des Antrags und der Stipendienhöhe als Pluspunkt bewertet werden.

Reisestipendien zur allgemeinen landeskundlichen Information können in begründeten Fällen auch ohne konkretes Übersetzungsprojekt beantragt werden. Das Luise-Adelgunde-Victorie-Gottsched-Stipendium und das Barthold-Heinrich-Brockes-Stipendium sind nicht an ein vertragliches Übersetzungsprojekt gebunden; hierfür gelten die in der Ausschreibung genannten Voraussetzungen.

Die alternative Bewerbung für unterschiedliche Stipendienarten ist zulässig. Soweit die formalen Voraussetzungen gegeben sind, ist eine Wiederbewerbung mit demselben Projekt grundsätzlich möglich.

Der Verlagsvertrag soll nicht ohne triftigen Grund zu Lasten der Übersetzerin oder des Übersetzers von dem zwischen dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V./Verlegerausschuß und dem Verband deutscher Schriftsteller (VS) in der IG Medien zuletzt vereinbarten ”Normvertrag für den Abschluß von Übersetzungsverträgen” abweichen.

Die Entscheidung der Jury wird den Antragstellern ohne Angabe von Gründen für die Bewilligung oder Ablehnung des Antrags mitgeteilt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Geschäftsführung ist für die Auszahlung der Stipendien nach Maßgabe der Jury verantwortlich. Die Auszahlung kann in mehreren Raten erfolgen. Die Abtretung des Stipendiums an Dritte ist ausgeschlossen.

Die Verwendung des Stipendiums ist der Geschäftsstelle durch einen Sachbericht und ggf. durch ein Belegexemplar nachzuweisen. Zweckwidrig verwendete Mittel werden zurückgefordert. Über Fortzahlung, Aussetzung oder Rückforderung eines Stipendiums entscheidet die Jury.

Die Antragsunterlagen werden nur für Zwecke der Antragsbearbeitung verwendet. Im Falle einer Förderung wird vorausgesetzt, dass die Stipendiaten mit der Veröffentlichung ihres Namens in den Mitteilungen des Deutschen Übersetzerfonds einverstanden sind.

Geförderte Übersetzungen

Liste der geförderten und bereits publizierten Übersetzungen

Afrikaans | Albanisch | Arabisch | Baskisch | Chinesisch | Dänisch | Englisch | Estnisch | Finnisch | Französisch | Georgisch | Griechisch | Hebräisch | Hindi | Indonesisch | Isländisch | Italienisch | Japanisch | Jiddisch | Katalanisch | Kroatisch | Ladinisch | Lateinisch | Litauisch | Makedonisch | Niederländisch | Norwegisch | Polnisch | Portugiesisch | Rumänisch | Russisch | Schwedisch | Spanisch | Slowenisch | Tschechisch | Türkisch | Ungarisch

Übersetzungen aus dem Afrikaans

Deon Meyer: Schwarz.Weiß.Tot., Aufbau Verlag 2009 - aus dem Afrikaans von Stefanie Schäfer

Übersetzungen aus dem Albanischen

Ismail Kadare: Der Raub des königlichen Schlafs. Ammann Verlag 2008 - aus dem Albanischen von Joachim Röhm

(weitere Auflistung folgt)

Akademie der Übersetzungskunst

Einleitung

Literarisches Übersetzen ist eine hochkomplexe Tätigkeit, für die es keine „normale“ Ausbildung gibt. Übersetzer erfinden in der Muttersprache die Werke fremdsprachiger Autoren neu. Das Wissen und das Bewusstsein über diese Arbeit ist im Wandel.

Die Akademie der Übersetzungskunst des Deutschen Übersetzerfonds veranstaltet Seminare und Werkstätten, die der Fortbildung der Literaturübersetzerinnen und -übersetzer dienen, die Diskussion und Reflexion über Qualitätsmaßstäbe und Textstrategien vorantreiben, die Weiterentwicklung der Übersetzungsstrategien überdenken und die eigene Schreibkompetenz der Übersetzer befördern.

Seminare fördern und pflegen Erfahrungsaustausch und Wissensvermittlung für Übersetzer aller Ausgangssprachen mit Zielsprache Deutsch. Grundlagenseminare behandeln den Weg vom Original ins Deutsche, Aufbauseminare konzentrieren sich auf die Erweiterung stilistischer Fähigkeiten, andere Angebote zielen auf die Besonderheiten einzelner Genres oder der Ausbildung neuer Stärken und Kompetenzen in Arbeitsfeldern wie Theaterübersetzung, Untertitelung oder Lyrikübersetzung.

An den übersetzerischen Nachwuchs richtet sich das jährlich stattfindende Hieronymus-Programm im Europäischen Übersetzer-Kollegium Straelen.

„ViceVersa“ ist ein Programm zur internationalen Fortbildung von Literaturübersetzerinnen und -übersetzern und soll dem sprachlichen und kulturellen Austausch dienen. Es ermöglicht die Realisierung zweisprachiger Übersetzerwerkstätten mit Teilnehmern eines bestimmten Sprachenpaares (zum Beispiel sechs Übersetzer aus dem Deutschen ins Arabische und sechs Übersetzer aus dem Arabischen ins Deutsche). Die mehrtägigen Workshops schaffen einen idealen Diskussionsraum für die Feinheiten literarischer Übersetzungen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten ein qualifiziertes Echo auf die eigene Arbeit und knüpfen Arbeitsbeziehungen zu Kollegen aus den Ländern der Sprache, aus der sie übersetzen. „ViceVersa“ bietet den Initiativen eine Basisfinanzierung, Unterstützung bei der Akquisition von Partnern und Geldgebern, Beratung hinsichtlich der inhaltlichen und organisatorischen Durchführung. „ViceVersa“ ist fester Bestandteil des Toledo-Programms, das wir gemeinsam mit der Robert Bosch Stiftung aus der Taufe gehoben haben. Stetig gefördert wird es vom Auswärtigen Amt.

Aktuelle Ausschreibungen finden Sie unter Neues.

Seminare

Unsere Seminare fördern und pflegen Erfahrungsaustausch und Wissensvermittlung für Übersetzer aller Ausgangssprachen mit Zielsprache Deutsch. Grundlagenseminare behandeln den Weg vom Original ins Deutsche, Aufbauseminare konzentrieren sich auf die Erweiterung stilistischer Fähigkeiten, andere Angebote zielen auf die Besonderheiten einzelner Genres oder der Ausbildung neuer Stärken und Kompetenzen in Arbeitsfeldern wie Theaterübersetzung, Untertitelung oder Comicübersetzung.

2018

Folgende Seminare sind aktuell für 2018 ausgeschrieben:

Stilerkundungen – Die allmähliche Verfertigung des Stils beim Schreiben. Sprachenübergreifendes Seminar für Literaturübersetzer und übersetzende Autoren
20. bis 24. Februar 2018 | im Literarischen Colloquium Berlin | Leitung: Angelika Klammer und Susanne Lange | Bewerbungsschluss: 19.11.2017

In Stilerkundungen wollen wir den vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten des Deutschen nachspüren: Wie lässt sich die Sprache modellieren? Was für eine Palette an Stilmitteln bietet sie uns? Wie können wir Charakteristika anderer Sprachen in die unsere überführen bzw. Äquivalente dafür entwickeln?

Dabei richten wir uns an Literaturübersetzer, aber auch explizit an übersetzende Autoren, um zu erkunden, wie unterschiedlich Autoren und Übersetzer mit einem Originaltext arbeiten und wie diese Ansätze sich für das Übersetzen und Schreiben fruchtbar machen lassen. Wo hilft den Autoren beim Schlüpfen in fremde Sprachwelten das Instrumentarium, das sie sich für ihr Schreiben erarbeitet haben? Wo nicht? Steht es ihnen bisweilen sogar im Weg? Bearbeiten sie ihre ersten Versionen anders als die Literaturübersetzer? Inwiefern erweitert Übersetzen das sprachliche Repertoire? Erlangen Literaturübersetzer mehr Bewegungsfreiheit, wenn sie erste Versionen mit dem Blick eines Autors bearbeiten? Durch solche Vergleiche wollen wir Fragen des Stils von verschiedenen Seiten beleuchten und einen für Autoren wie Übersetzer anregenden Austausch über die Sprache und ihre Möglichkeiten in Gang bringen.

Ausgehend davon sollen die verschiedensten Ausdrucksmöglichkeiten erprobt werden, etwa wie man im Deutschen Akzente und Betonungen setzt, wie man das Tempo eines Textes variiert, ihn bewegter oder ruhiger gestaltet, wie man rhythmische Strukturen erzeugt. Ebenso wollen wir die Statik langer und kurzer Sätze untersuchen, der Frage nachgehen, welche Wörter oder Wortarten Anschaulichkeit oder Abstraktheit in einen Text bringen, wie man ihm stilistische Einheit verleiht bzw. sie bewusst aufbricht, wie der gezielte Einsatz von Partikeln den entscheidenden Tupfer zu setzen vermag.

Zur Veranschaulichung untersuchen wir Texte deutschsprachiger Autoren aus unterschiedlichen Epochen daraufhin, welche Ausdrucksvielfalt das Deutsche bietet, wo es flexibel ist, wo eher starr, welche stilistischen Pendants es für fremdsprachige Strukturen bereithält. Wann darf und soll sich die Übersetzung erlauben, Sprachregeln über Bord zu werfen, eine ähnliche Freiheit zu nehmen wie der Autor? Auch darauf suchen wir Antworten.

Ausschreibung als PDF zum Download

Transfer – Werkstatt Kinder- und Jugendtheater in Übersetzung
vom 1. bis 5. März 2018 | in Frankfurt am Main | Leitung: Barbara Christ | Bewerbungsschluss: 11.12.2017

Das Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland veranstaltet zum dritten Mal eine Werkstatt für Übersetzerinnen und Übersetzer des Kinder- und Jugendtheaters und lädt vom 1. bis 5. März 2018 nach Frankfurt am Main ein.

Die viertägige Werkstatt unter der Leitung der Übersetzerin Barbara Christ bietet bis zu sechs Übersetzer*innen Zeit und Raum zum gemeinsamen Arbeiten, zum Austausch und zur Begegnung mit der Praxis des Kinder- und Jugendtheaters. Ziel der Werkstatt ist es, Übersetzungen von neuen internationalen Theaterstücken fÜr Kinder- und Jugendliche zu diskutieren und bekannt zu machen. Die Übersetzungen sollten nicht älter als fünf Jahre und im deutschsprachigen Raum noch nicht aufgeführt sein.

Ausschreibung als PDF zum Download

Außerdem sind folgende Seminare geplant, aber noch nicht ausgeschrieben:

Seminarübersicht – Archiv

Grundlagenseminare

  • Unser Deutsch und meines
    (zuletzt veranstaltet vom 25. bis 29. Januar 2017 im EÜK Straelen unter der Leitung von Katja Lange-Müller und Rosemarie Tietze, PDF der Ausschreibung)
  • Aus kritischer Distanz. Wie redigiere ich mich selbst? Sprachenübergreifendes Grundlagenseminar für Literaturübersetzer
    (zuletzt veranstaltet vom 15. bis 21. März 2017 im EÜK Straelen unter der Leitung von Bärbel Flad und Rosemarie Tietze, PDF der Ausschreibung)

Aufbauseminare

  • Zur Seite gesprungen. Seminar für Literaturübersetzer und Lektore(zuletzt veranstaltet vom 10. bis 13. Mai 2017 im LCB unter der Leitung von Svenja Becker und Jürgen Dormagen. Findet jährlich statt. PDF der Ausschreibung)
  • Imitationen. Sprach- und Stiltraining für erfahrene Literaturübersetzer
    (zuletzt vom 22. bis 26. Oktober 2016)
  • Stilerkundungen. Die allmähliche Verfertigung des Stils beim Übersetzen
    (zuletzt veranstaltet vom 7. bis 12. Juni 2016 im Literaturhaus München unter der Leitung von Susanne Lange und Angelika Klammer)
  • Frischer Wind IV: Gestalterische Spielräume ausschöpfen
    (zuletzt veranstaltet vom 24. bis 29. Oktober 2016 im EÜK Straelen unter der Leitung von Christiane Buchner und Frank Heibert, PDF der Ausschreibung)
  • Auf Papier, nicht aus Papier. Wie sprechen die Figuren in dramatischen und in Prosatexten? Sprachübergreifendes Seminar zur Dialogübersetzung
    (zuletzt vom 21. bis 25. Mai 2014 im EÜK Straelen)

Genres (Unterhaltung, Lyrik, Comic, Theater)

  • Wir wünschen gute Unterhaltung! Sprachübergreifendes Seminar zur Übersetzung von Unterhaltungsliteratur
    (zuletzt vom 04.-08. Mai 2015 im EÜK Straelen, Leitung: Isabel Bogdan und Helga Frese-Resch, PDF der Ausschreibung)
  • In einer anderen Welt. Sprachenübergreifendes Seminar zum Übersetzen von Fantasyliteratur
    (zuletzt vom 3. bis 7. September 2014 im EÜK Straelen)
  • „Und sagt es klar und angenehm …“ Non-Fiction professionell übersetzen
    (zuletzt vom 5. bis 9. Februar 2014 im EÜK Straelen)
  • Poesie-Übersetzer-Werkstatt. Sprachübergreifendes Seminar zum Übersetzen von Lyrik
    (zuletzt vom 30. November bis 04. Dezember 2015 im Literarischen Colloquium Berlin)
  • Kreativität – im Kasten! Seminar zum Übersetzen von Comics
    (zuletzt veranstaltet vom 17. bis 21. Mai 2016 im EÜK Straelen)
  • Über den Umgang mit Umgangssprache
    (zuletzt vom 20. bis 24. November 2014 im EÜK Straelen)
  • Theaterszenen II: Theater – Theorie – Text – Titel. Sprachübergreifendes Seminar zur Übersetzung von Theatertexten
    (zuletzt vom 30.03. bis 02.04.2017 im Thalia Theater, Hamburg)
  • Mal ausprobieren. Creative Writing für Übersetzer
    (zuletzt vom 17. bis 19. Juli 2017 im Literarischen Colloquium Berlin)
  • Der innere Lektor. Ein Seminar für Literaturübersetzer aus dem Georgischen ins Deutsche
    (zuletzt vom 30.11. bis 04.12.2016 im EÜK Straelen)

Weiterhin vom Übersetzerfonds gefördert wurden u.a.:

  • Transfer. Werkstatt Kinder- und Jugendtheater in Übersetzung
    (zuletzt vom 9. bis 13. März 2017 in Frankfurt/Main)

ViceVersa: zweisprachige Werkstätten

„ViceVersa“ ist ein Programm zur internationalen Fortbildung von Literaturübersetzern und dient dem sprachlichen und kulturellen Austausch. Es ermöglicht die Realisierung zweisprachiger Übersetzerwerkstätten mit Teilnehmern eines bestimmten Sprachenpaares (zum Beispiel sechs Übersetzer aus dem Deutschen ins Russische und sechs Übersetzer aus dem Russischen ins Deutsche).

Die mehrtägigen Workshops schaffen einen idealen Diskussionsraum für die Feinheiten literarischer Übersetzungen. Die Teilnehmer erhalten ein qualifiziertes Echo auf die eigene Arbeit und knüpfen Arbeitsbeziehungen zu Kollegen aus den Ländern der Sprache, aus der sie übersetzen. „ViceVersa“ bietet den Initiativen eine Basisfinanzierung, Unterstützung bei der Akquisition von Partnern und Geldgebern, Beratung hinsichtlich der inhaltlichen und organisatorischen Durchführung. Das Programm wird aus Mitteln der Robert Bosch Stiftung und des Auswärtigen Amts gefördert, die Planung und Organisation obliegt ab 2018 dem Förderprogramm TOLEDO.

2017

ViceVersa: Deutsch-Bosnisch/Serbisch/Kroatisch
23.-28. Oktober 2017 im EÜK Straelen | Leitung: Brigitte Döbert, Helen Sinkovic

Wir laden ein zur Übersetzerwerkstatt Deutsch-BKS, bei der Literaturübersetzerinnen und Literaturübersetzer ins Deutsche aus dem Bosnischen, Kroatischen, Montenegrinischen und Serbischen und Literaturübersetzerinnen und Literaturübersetzer aus dem Deutschen ins Bosnische, Kroatische, Montenegrinische und Serbische Gelegenheit bekommen, gemeinsam an eingereichten Projekten zu arbeiten, übersetzungsrelevante Themen zu diskutieren und sich über ihre berufspolitische Situation auszutauschen. Die Texte zirkulieren vorab, vorbereitend werden eine kritische Lektüre der Texte und eine reflektierte Vorstellung des eigenen Textes erwartet. Die Seminarleiterinnen strukturieren und moderieren die Seminararbeit. Die Debatte wird überwiegend vom konkreten Textbeispiel ausgehen, Lösungsmöglichkeiten erörtern sowie spezifische Probleme des Übersetzens in und aus den jeweiligen Sprachen zusammentragen. Daneben soll Raum sein für eine grundsätzliche Verständigung über übersetzungsrelevante Themen.
Die Werkstatt ist offen für insgesamt zwölf TeilnehmerInnen. Angestrebt wird eine gleichgewichtige Berücksichtigung von ÜbersetzerInnen aus dem Deutschen und ins Deutsche.

Ausschreibung als PDF zum Download

ViceVersa: Deutsch-Iranische Werkstatt
12.-18. November 2017 im Literarischen Colloquium Berlin | Leitung: Jutta Himmelreich, Mahmoud Hosseini Zad

Wir laden ein zur ersten Übersetzerwerkstatt Farsi und Deutsch. Das Format der bilingualen Werkstattgespräche als Austausch unter Kolleginnen und Kollegen („ViceVersa“) ist seit vielen Jahren erprobt und wurde zum Vorbild für viele andere Fortbildungen. Im Fokus steht die intensive Diskussion der eingereichten, noch unabgeschlossenen und unpublizierten Übersetzungen. Die Texte zirkulieren vorab, zur Vorbereitung wird eine kritische Lektüre der Texte erwartet. Eine deutsche Übersetzerin und ein iranischer Übersetzer strukturieren und moderieren die Seminararbeit. Die Werkstatt ist offen für 10 (möglichst 5 deutsch- und 5 persischsprachige) LiteraturübersetzerInnen mit Publikationserfahrung und Interesse an einem vertieften Austausch über das Übersetzen und die Vermittlung unserer Literaturen im jeweils anderen Kulturraum.
Es können alle Sorten von Texten – Belletristik, Lyrik, Theater, Essay, Jugendbuch, Sachbuch etc. – eingereicht werden.

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ViceVersa: Deutsch-Polnische Werkstatt in Gdańsk
04.-09.12.2017 in Gdańsk | Leitung: Dorota Stroińska, Thomas Weiler

Die Deutsch-Polnische Übersetzerwerkstatt findet dieses Jahr im Kulturstadtinstitut in der „Stadt der Freiheit Gdańsk“ statt. Zum achten Mal laden wir Literaturübersetzer beider Sprachen zu dem einwöchigen Werkstattgespräch ein, wo sie sich über ihre aktuellen Arbeiten professionell austauschen können. Im Mittelpunkt der Werkstattgespräche steht die intensive Diskussion der eingereichten Übersetzungen. Die Texte zirkulieren vorab, zur Vorbereitung wird eine kritische Lektüre der Teilnehmertexte erwartet. Eine polnische Seminarleiterin und ein deutscher Seminarleiter strukturieren und moderieren die Seminararbeit. Die Debatte wird dabei immer wieder vom „besonderen Fall“ und seinen Lösungsmöglichkeiten über die spezifischen Probleme des Übersetzens zwischen der deutschen und polnischen Sprache bis zu grundsätzlichen Fragen des literarischen Übersetzens übergehen.
Die Werkstatt ist offen für 10 Teilnehmer – Literaturübersetzer mit langjähriger Berufserfahrung sind genauso willkommen wie jüngere Übersetzer mit einer kurzen Publikationsliste. Angestrebt wird eine gleichgewichtige Berücksichtigung deutscher und polnischer Bewerber.

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2018

Folgende zweisprachigen Werkstätten sind aktuell ausgeschrieben:

ViceVersa: Deutsch-Französische Übersetzerwerkstatt
14. - 21. Januar 2018 | im Übersetzerhaus Looren | Leitung: Brigitte Große und Juliette Aubert

Seit 1994 ist dieses einwöchige bilinguale Werkstattgespräch ein Ort des Austauschs unter Kolleginnen und Kollegen, das zum Vorbild für viele andere wurde. Die Werkstatt ist offen für zehn (fünf deutsch- und fünf französischsprachige) LiteraturübersetzerInnen mit Publikationserfahrung (mindestens eine veröffentlichte Übersetzung). Im Mittelpunkt der Werkstattgespräche steht die intensive Diskussion der eingereichten, noch unabgeschlossenen und unpublizierten Übersetzungen. Die Texte zirkulieren vorab, zur Vorbereitung wird eine kritische Lektüre der Texte erwartet. Zusätzlich zur Textarbeit organisiert das Übersetzerhaus Looren ein Rahmenprogramm.

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ViceVersa: Hindi-Deutsche Werkstatt
18. bis 22. Februar 2018 | im Übersetzerhaus Looren | Leitung: Rainer Kimmig und Namita Khare | Bewerbungsschluss: 10. Oktober 2017

Erstmals laden wir zu einer Hindi-Deutschen ViceVersa-Werkstatt ins Übersetzerhaus Looren ein. Kombiniert ist der Übersetzungsworkshop (19.-22. Februar 2018) mit der Einladung zum Besuch der „Tage indischer Literatur“ im Literaturhaus Zürich (23.-25. Februar 2018). Der viertägige Übersetzungsworkshop richtet sich an professionelle Literaturübersetzer (Prosa, Sachbuch, Essay, Lyrik, Drama) der Sprachrichtungen Deutsch>Hindi und Hindi>Deutsch, die mindestens eine Veröffentlichung vorweisen können. Übersetzer mit langjähriger Berufserfahrung sind genauso willkommen wie jüngere Übersetzer mit einer kurzen Publikationsliste. Im Mittelpunkt der Werkstattgespräche steht die intensive Diskussion der eingereichten, noch unabgeschlossenen und unpublizierten Übersetzungen. Problemfälle und Übersetzungsstrategien sollen erörtert, aber auch neue Arbeitsbeziehungen geknüpft werden. Die Texte zirkulieren vorab, zur Vorbereitung wird eine kritische Lektüre der Texte und eine reflektierte Vorstellung des eigenen Textes erwartet. Ein deutscher Leiter und eine indische Leiterin strukturieren und moderieren die Seminararbeit. Die Teilnehmer werden auch Einblicke in das aktuelle Schweizer Literaturschaffen erhalten und AutorInnen aus der Schweiz begegnen. Im Rahmen des Festivals „Tage indischer Literatur“ im Literaturhaus Zürich sind Lesungen und Gespräche mit AutorInnen und ReferentInnen aus der Literaturbranche geplant.

Ausschreibung zum Download

 

Außerdem sind folgende Werkstätten geplant, aber noch nicht ausgeschrieben:

n.n.

 

Werkstattübersicht  Archiv

Bisher haben Werkstätten in folgenden Sprachpaaren stattgefunden:

  • Deutsch-Arabisch
  • Deutsch-Armenisch
  • Deutsch-Belarussisch
  • Deutsch-Bosnisch/Serbisch/Kroatisch
  • Deutsch-Bulgarisch
  • Deutsch-Chinesisch
  • Deutsch-Dänisch
  • Deutsch-Englisch
  • Deutsch-Finnisch
  • Deutsch-Französisch
  • Deutsch-Georgisch
  • Deutsch-Griechisch
  • Deutsch-Hebräisch
  • Deutsch-Hindi
  • Deutsch-Iranisch
  • Deutsch-Isländisch
  • Deutsch-Italienisch
  • Deutsch-Niederländisch
  • Deutsch-Norwegisch
  • Deutsch-Polnisch
  • Deutsch-Portugiesisch
  • Deutsch-Rumänisch
  • Deutsch-Russisch
  • Deutsch-Schwedisch
  • Deutsch-Serbokroatisch
  • Deutsch-Slowenisch
  • Deutsch-Spanisch
  • Deutsch-Tschechisch
  • Deutsch-Türkisch
  • Deutsch-Ukrainisch
  • Deutsch-Ungarisch

Hieronymus-Programm für Nachwuchsübersetzer

Die Förderung des übersetzerischen Nachwuchses steht im Mittelpunkt des Hieronymus-Programms. 12 Übersetzer ins Deutsche, die noch keine oder nur geringe Publikationserfahrung haben, erhalten die Gelegenheit, an einem eigenen Übersetzungsprojekt zu arbeiten. Begleitet werden sie von erfahrenen Mentoren und Seminarleitern. Die gemeinsame Textarbeit ermöglicht den Teilnehmern, sich mit dem Handwerkszeug des literarischen Übersetzens vertraut zu machen – von der stilistischen Analyse des Ausgangstextes bis zur Schaffung eines literarischen Text im Deutschen –, abgerundet durch berufskundliche und berufspraktische Themen sowie Einblicke in die Produktionsvorgänge des Literaturbetriebs. Das Programm ist offen für Bewerber mit Projekten aller literarischen Gattungen (dazu gehören neben Lyrik, Prosa und Theaterstücken auch Kinder- und Jugendbücher und literarische Essays) und aus allen Ausgangssprachen, der Schwerpunkt liegt auf Übersetzungen aus „kleineren“ Sprachen. Das Hieronymus-Programm bieten wir im jährlichen Rhythmus im Europäischen Übersetzer-Kollegium an (www.euk-straelen.de).

Gefördert wird die Arbeit an Übersetzungen anspruchsvoller fremdsprachiger Literatur ins Deutsche. Um die Teilnahme an der Übersetzerwerkstatt kann sich bewerben, wer einen solchen Text ins Deutsche zu übertragen beabsichtigt. Die ausgewählten Seminarteilnehmer erhalten Unterkunft und Verpflegung im EÜK; Reisekosten werden erstattet.

Das Seminar findet meist im April statt; die Ausschreibung wird in der Regel zu Jahresbeginn an dieser Stelle veröffentlicht.

A.W. Schlegel Gastprofessur

A.W.Schlegel-Gastprofessur

Die August Wilhelm von Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung wurde zum Wintersemester 2007/2008 am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin eingerichtet. Die Gastprofessur ist die erste Professur für Poetik der Übersetzung im deutschsprachigen Raum.

Der Deutsche Übersetzerfonds und das Peter-Szondi-Institut verstehen die August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur als einen markanten Schritt zu einer Aufwertung der literarischen Übersetzung als einer eigenständigen künstlerischen Leistung. Die Professur stärkt nicht nur die Vermittlung, sondern auch die öffentliche Wahrnehmung der Übersetzungskultur und trägt so einen wichtigen Beitrag zur Fortentwicklung dieser Tradition bei.

2017/2018

Im Wintersemester 2017/18 wird die August Wilhelm von Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung von der Übersetzerin und Autorin Esther Kinsky bekleidet. Esther Kinsky wurde 1956 geboren und ist bei Bonn aufgewachsen. Sie studierte Slawistik, lebte lange Jahre in London, dann in Budapest und seit 2009 in Berlin und Battonya (Ungarn). Seit Mitte der achtziger Jahre ist sie literarische Übersetzerin aus dem Polnischen, Russischen und Englischen, gleichzeitig ist ein originäres Werk in Prosa, Lyrik und Essay entstanden.

Der Schwerpunkt ihres übersetzerischen Werks liegt auf der polnischen und der angloamerikanischen Literatur. Zygmunt Haupt, Olga Tokarczuk, Magdalena Tulli und Joanna Bator gewannen durch ihre Übersetzungen eine deutschsprachige Leserschaft. Im Kontext einer Ästhetik des „nature writing“ stehen ihre Übersetzungen von Henry David Thoreau, James Leslie Mitchell und John Clare. In dem Essay „Fremdsprechen. Gedanken zum Übersetzen“ (2013) umkreist sie Erfahrungen beim Neuschaffen und Umbenennen, jenem „Fremdsprechen“ von Bild- und Klangräumen in einer anderen Sprache. Aus Esther Kinskys eigenem literarischem Werk ragen die Romane „Sommerfrische“ (2009), „Banatsko“ (2011) und „Am Fluß“ (2014) sowie die Gedichtbände „Aufbruch nach Patagonien“ (2012) und „Am kalten Hang“ (2016) heraus. Esther Kinsky erhielt zahlreiche Auszeichnungen; u.a. den Paul Celan Preis für Übersetzung (2009), den Karl Dedecius Preis für Übersetzung (2011), den Franz Hessel Preis (2014), den Kranichsteiner Literaturpreis (2015) und den Adalbert von Chamisso-Preis (2016).

Zur Antrittsvorlesung am 1.11.2017 laden wir Sie herzlich ein

Einladung als pdf zum Download

Bisherige Gastprofessuren

Die Professur wird jährlich zum Wintersemester verliehen an Personen, die mit bemerkenswerten Übersetzungen in der deutschsprachigen literarischen Öffentlichkeit hervorgetreten sind.

Die bisherigen August Wilhelm von Schlegel-Gastprofessoren für Poetik der Übersetzung sind:

Christian Hansen (WS 2016/17)

Christian Hansen wurde 1962 in Köln geboren. Das Studium der Theaterwissenschaft, Germanistik, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Lateinamerikanistik absolvierte er an der FU Berlin. Seit 1995 ist er freier Übersetzer aus dem Spanischen und Französischen. Der Schwerpunkt seines übersetzerischen Werks liegt auf lateinamerikanischen Autoren: Vizconde Lascano Tegui, Alan Pauls, Patricio Pron, Guillermo Rosales und vor allem die Bücher Roberto Bolaños hat er im Deutschen zum Leuchten gebracht. 2010 wurde er mit dem Jane-Scatchered-Preis, 2014 mit dem Europäischen Übersetzerpreis Offenburg ausgezeichnet. Neben seiner übersetzerischen Tätigkeit ist er Mentor bei der Berliner Übersetzerwerkstatt und der Berliner Autorenwerkstatt sowie Mitbegründer der Weltlesebühne, eines Vereins zur Förderung und Durchführung von Veranstaltungen von und mit Übersetzern. Er ist regelmäßig Workshopleiter für literarisches Übersetzen, jüngst in Lenzburg, Schweiz (2016) und Ysper, Österreich (2016). Zudem war er Dozent für literarisches Übersetzen am ISTRAAD in Sevilla (SS 2012) und an der Uni Basel (WS 2014). Christian Hansen lebt mit seiner Familie in Madrid.

Seminartitel: „Die Kunst der Zweideutigkeit oder: Ist Literatur wiederholbar?“

Frank Heibert (WS 2015/16)

Frank Heibert wurde 1960 in Essen geboren und gehört zu den renommiertesten und produktivsten Literaturübersetzern in Deutschland. Er lebt seit 1979 in Berlin, wo er an der Freien Universität Germanistik, Romanistik und Musikwissenschaften studierte. 1990 wurde er mit einer Arbeit über das „Das Wortspiel und seine Übersetzung“ zum Dr. phil. promoviert. Sein übersetzerisches Oeuvre umfasst mehr als 70 Romane und Erzählbände und rund 90 Theaterstücke, die er aus dem Englischen, Französischen, Italienischen und Portugiesischen ins Deutsche übertragen hat. Das Spektrum reicht dabei von Boris Vian, Aldo Busi und William Faulkner („Schall und Wahn“, Rowohlt Verlag 2014) bis zu Don DeLillo (u.a. „Unterwelt“, Kiepenheuer & Witsch 1998), Richard Ford („Die Lage des Landes“, Berlin Verlag 2007) und Yasmina Reza („Glücklich die Glücklichen“, gemeinsam mit Hinrich Schmidt-Henkel, Hanser Verlag 2014). 2012 erhielt er den Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Preis für seine Übersetzungen aus dem Englischen, 2013 den Hieronymus Ring. Frank Heibert ist ein gefragter Leiter und Mentor von Übersetzerseminaren, hat einen Roman veröffentlicht („Kombizangen“, Hoffmann & Campe 2006), einen Verlag geleitet (zebra literaturverlag, 1990-95), und steht als Jazzsänger auf der Bühne (Duo Frank Heibert & Christoph Mudrich).

Seminartitel: „Zwischen Bauch und Kopf: Über die permanente Dialektik des Literaturübersetzens”

Anne Birkenhauer (WS 2014/15)

Anne Birkenhauer, 1961 in Essen geboren, studierte Judaistik und Germanistik an der Freien Universität Berlin. Seit 1989 lebt sie in Israel. Sie arbeitete u.a. als wissenschaftliche Assistentin in der Abteilung für Jüdische Geschichte an der Hebräischen Universität in Jerusalem und war Herausgeberin der deutschen Ausgabe der Zeitschrift „Ariel - Zeitschrift für Kunst und Kultur in Israel” und des „Jüdischen Almanach” des Leo Baeck Instituts, der im Jüdischen Verlag im Suhrkamp Verlag erscheint. übersetzerische Laufbahn begann Ende der achtziger Jahre mit einem Gedichtband von Dan Pagis. Das Spektrum ihrer Prosaübersetzungen reicht von klassischen literarischen Autoren wie Jaakow Shabtai, Jehoshua Kenaz, Gabriela Avigur-Rotem und Aharon Appelfeld, über moderne experimentelle Prosa, etwa von Yuval Shimoni und Yoel Hoffmann bis hin zu jüngeren Autorinnen und Autoren, bei denen ganz unterschiedliche, oft ethnisch geprägte Register der Umgangssprache übertragen werden müssen (Sarah Shilo, Daniella Carmi, Eshkol Nevo). Für die Übersetzung von David Grossmans Roman „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ (Hanser Verlag) bekam sie 2010 zusammen mit dem Autor den Internationalen Literaturpreis Albatros und 2011 den Jane Scatcherd-Preis. Seit 2011 leitet sie, zusammen mit Gadi Goldberg, im Rahmen des ViceVersa-Programms die Hebräisch-Deutsche Übersetzerwerkstatt, die regelmäßig in Deutschland und Israel stattfindet.

Seminartitel: „Untertöne und Echoräume in der Übersetzung an Beispielen aus der hebräischen Literatur“

Elisabeth Edl (WS 2013/14)

Elisabeth Edl wurde 1956 in Wagna/Österreich geboren, studierte Germanistik und Romanistik in Graz und absolvierte eine Übersetzer- und Dolmetscherausbildung. Von 1983-1995 lehrte sie deutsche Sprache und Literatur an der Universität Poitiers und war Lehrbeauftragte an der École supérieure de commerce de Poitiers. Seit 1995 lebt sie als freie Romanistin und Literaturübersetzerin in München. Elisabeth Edls übersetzerisches Oeuvre ist geprägt von der intensiven Beschäftigung mit ausgewählten Autoren und ihren Werk zusammenhängen: allein zwölf Bücher von Julien Green hat sie aus dem Französischen übersetzt, die Romane von Patrick Modiano, und gemeinsam mit Wolfgang Matz die „Cahiers“ von Simone Weil und die Lyrik und Prosa Philippe Jaccottets. Auf große Resonanz stießen ihre Neuübersetzungen der Klassiker des 19. Jahrhunderts: Stendhals „Rot und Schwarz“ (2004), „Die Kartause von Parma“ (2007) und Flauberts „Madame Bovary“ (2012), die sie im Hanser Verlag herausgegeben und ausführlich kommentiert hat. Elisabeth Edl wurde mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, u.a. dem Paul Celan-Preis (1992), dem Petraca-Preis (1994), dem Johann Heinrich Voß-Preis (2005) und dem Österreichischen Staatspreis (2006). 2009 wurde sie zum Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung gewählt und zum Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres der Republik Frankreich ernannt.

Seminartitel: „Wissenschaft und Kunst. Über die Grenzen der Interpretation in der Literarischen Übersetzung“

Rosemarie Tietze (WS 2012/13)

Rosemarie Tietze wurde 1944 in Oberkirch/Schwarzwald geboren, studierte Theaterwissenschaft, Slawistik und Germanistik in Köln, Wien und München und hielt sich ein Jahr zu Forschungszwecken in Moskau auf. Seit 1972 ist sie freiberuflich tätig, zunächst in Wirtschaft und Wissenschaft, ab Ende der siebziger Jahre vor allem als Literaturübersetzerin. Mehr als zwanzig Jahre lehrte sie zudem am Münchner Sprachen- und Dolmetscherinstitut. Rosemarie Tietze war Initiatorin und von 1997-2009 Vorsitzende des Deutschen Übersetzerfonds, die hieraus hervorgegangene „Akademie der Übersetzungskunst“ verdankt ihr entscheidende Impulse.

Rosemarie Tietzes übersetzerisches Oeuvre reicht von Dostojewski („Der Großinquisitor“, 1981), Vladimir Nabokov, Boris Pasternak und Boris Schitkow („Wiktor Wawitsch“, 2003) bis zu Andrej Bitow, dem zentralen Autor ihrer Werkbiografie. Acht Titel dieses Autors, von „Das Licht der Toten“ (1990) bis zur Neuübersetzung von „Das Puschkinhaus“ (2007), übersetzte sie aus dem Russischen, für Herbst 2012 ist das Erscheinen des Romans „Der Symmetrielehrer“ im Suhrkamp Verlag angekündigt. Auf große Resonanz stieß zuletzt ihre „Anna Karenina“-Neuübersetzung, die zum Tolstoi-Jahr  bei Hanser erschien (2009). Rosemarie Tietze wurde mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, u.a. dem Stuttgarter Literaturpreis (1990), dem Johann-Heinrich-Voss-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (1995), dem Brücke Berlin Preis 2008, den sie gemeinsam mit Andrej Bitow erhielt, und dem Paul-Celan-Preis des Deutschen Literaturfonds (2010). 2013 erhielt sie das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland, 2017 den Deutschen Sprachpreis.

Seminartitel: „Übersetzen. Eine Utopie“

Olaf Kühl (WS 2011/12)

Olaf Kühl wurde 1955 in Sanderbusch/Kreis Friesland geboren. Er studierte Slawistik, Osteuropäische Geschichte und Zeitgeschichte an der Freien Universität Berlin. 1995 folgte die Promotion mit einer Arbeit zum Thema Stilistik einer Verdrängung. Zur Prosa von Witold Gombrowicz. Seit 1982 veröffentlicht Olaf Kühl literarische Übersetzungen, hauptsächlich aus dem Polnischen, aber auch aus dem Russischen, Ukrainischen und Serbokroatischen. Zu den übersetzen AutorInnen zählen u. a. Witold Gombrowicz, Adam Zagajewski, Andrzej Stasiuk und Dorota Masłowska. Im selben Jahr gründete er das Ost-West-Büro (OWB) für Osteuropa-Beratung und Übersetzung. Außerdem ist der Übersetzer Verlagsgutachter für polnische, russische und ukrainische Literatur und Leiter literarischer Übersetzer-Workshops in Deutschland und Polen. Seit 1996 ist Olaf Kühl Russland-Referent des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, davor arbeitete er als sein Dolmetscher und Übersetzer. Olaf Kühl lebt in Berlin.

Seminartitel: „Schreibst du noch oder übersetzt du schon?  Über Sätze und ihre Lebenswelten“

Susanne Lange (WS 2010/11)

Susanne Lange wurde 1964 in Berlin geboren, studierte Komparatistik in München und Paris und schloss ihr Studium 1991 mit einer Promotion über die Beziehungen lateinamerikanischer und deutscher Gegenwartsliteratur an der LMU München ab. In den neunziger Jahren lehrte sie in Tübingen und an der Universidad de los Andes in Bogotá. Sie lebt heute in Sabadell bei Barcelona und in München. Als Übersetzerin aus dem Spanischen debütierte sie 1992 spektakulär mit der Übertragung von Fernando del Pasos Monumentalroman „Palinurus vom Mexiko“ (FVA) und legte damit den Grundstein für ihren Erfolg und ihr Ansehen als Vermittlerin lateinamerikanischer und spanische Literatur. Insbesondere mexikanische und kubanische Autoren erschienen seither in ihrer Übertragung (u.a. Carmen Boullosa, Lydia Cabrera, José Manuel Prieto, Juan Villoro, Jorge Volpi), dazu Theaterstücke von Federico Garcia Lorca, Lyrik von Luis Cernuda („Wirklichkeit und Verlangen, Suhrkamp 2004), und im Jahr 2008 ihre preisgekrönte Neuübersetzung von Cervantes’ „Don Quijote“ (Hanser Verlag). Susanne Lange erhielt 1994 den Helmut-M.-Braem-Preis, den Übersetzerpreis der spanischen Botschaft (2005), den Hieronymus-Ring (2007) und den Johann-Heinrich-Voss-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (2009).

Seminartitel: „Anatomie des Satzes und Alchemie der Wörter: die Kunst des Stils in der Übersetzung“

Stefan Weidner (WS 2009/10)

Stefan Weidner, geboren 1967, gehört als Übersetzer, Autor, Publizist und Kritiker zu den wichtigsten Vermittlern arabischer Kultur in Deutschland. Das Studium der Islamwissenschaften, Germanistik und Philosophie in Göttingen, Damaskus, Berkeley und Bonn schloß er mit einer Arbeit über den libanesischen Dichter Adonis ab, dessen lyrisches Werk er 2004 in deutscher Übersetzung vorstellte (Adonis: Ein Grab für New York. Gedichte 1965-1971. Ammann Verlag) und für die er 2014 den Paul Scheerbart-Preis erhielt. Weidners Übersetzungen von Autoren wie Mahmud Darwish, Fuad Rifka, Taha Muhammad Ali und Mohammed Bennis wurden 2007 mit dem Johann-Heinrich-Voß Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgezeichnet. Die Neuübersetzung des Koran, an der er jetzt arbeitet, schlägt die Brücke von der modernen Lyrik zum kultur- und religionsstiftenden Gründungstext. Seine literarisch-essayistischen Werke („Mohammedanische Versuchungen“, Ammann Verlag 2004 ; „Fes. Sieben Umkreisungen“, Ammann Verlag 2006 u.a.) sind Annäherungen an die Welt des Islam. In diesem Kontext steht auch die Tätigkeit als Redakteur für die vom Goethe-Institut herausgegebene Kulturzeitschrift „Fikrun wa Fann / Art & Thought“.

Seminartitel: „Fremde Freiheit? Exotisches Übersetzen und die Wandlungen der Poetik jenseits des Originals“

Burkhart Kroeber (WS 2008/09)

Burkhart Kroeber gehört zu den namhaftesten Übersetzern deutscher Sprache, seine Übersetzungen haben Maßstäbe gesetzt. Mit ungewöhnlicher Stilsicherheit und zupackender Prägnanz gestaltet er die deutsche Sprachwelt seiner Autoren. Kroeber wurde 1940 in Potsdam geboren, studierte Ägyptologie, Romanistik und Politologie in Tübingen, Heidelberg und Paris. Promotion zum Dr. phil. im Jahr 1969. Die ersten Übersetzungen aus dem Englischen, Französischen und Italienischen publizierte er in den siebziger Jahren, darauf folgten fünf Jahre als Sachbuchlektor im Carl Hanser Verlag. Seit 1982, dem Jahr des Erscheinens seiner Übersetzung von Umberto Ecos „Der Name der Rose“, ist er freier Übersetzer, vorwiegend aus dem Italienischen (Autoren: Umberto Eco, Italo Calvino, Andrea De Carlo, Carlo Fruttero & Franco Lucentini, Roberto Cotroneo). Daneben übersetzte er diverse Klassiker: Alessandro Manzonis „I Promessi Sposi“ (dt. „Die Brautleute“, Hanser Verlag 2000), Charles Dickens’ „The Mystery of Edwin Drood“, John Steinbecks „Travels with Charley: In Search of America“. 1985 erhielt er den Literaturpreis des Kulturkreises des Bundesverbands der Deutschen Industrie, 2001 den Johann-Heinrich-Voß-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, 2006 den Übersetzerpreis der Stadt München und 2011 den Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreis sowie das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. Burkhart Kroeber hat sich darüber hinaus für die berufspolitischen Belange und – als sprachmächtiger Streiter – für die „Sichtbarkeit“ der Übersetzer engagiert, insbesondere als Vorsitzender des Übersetzerverbandes VdÜ von 1991- 1997. Am Aufbau des Deutschen Übersetzerfonds war er als stellvertretender Vorsitzender (1997- 2006) maßgeblich beteiligt. Seit 2003 ist er Sprecher der Deutschen Literaturkonferenz e.V.

Seminartitel: „Die Ordnung der Wörter: Von der Logik des Satzes zur Freiheit des Stils“

Frank Günther (WS 2007/09)

Frank Günther (geb. 1947) war nach einem Studium der Anglistik, Germanistik und Theatergeschichte als Regieassistent und Regisseur an mehreren Theatern tätig. Bereits während seiner Theatertätigkeit übersetzte er neue und alte dramatische Werke ins Deutsche. Seit den 1970er Jahren übersetzt er das Gesamtwerk von William Shakespeare. 1995 erschienen die ersten Übersetzungen bei dtv, seit 2000 erscheint eine bibliophile Ausgabe im Verlag ars vivendi. 2017 erschien der letzte von insgesamt 39 Bänden, womit Frank Günther der erste ist, der alle Werke Shakespeares allein ins Deutsche übersetzt hat. Anlässlich des 450. Geburtstags von William Shakespeare veröffentlichte Günther zwei Bücher zu seinen Shakespeare-Übersetzungen („Unser Shakespeare. Einblicke in Shakespeares fremd-verwandte Zeiten“, dtv 2014, und die zweisprachige Zitatesammlung „Shakespeares Wort-Schätze“, dtv 2014). 2001 erhielt Frank Günther den Christoph-Martin-Wieland-Preis, der nach dem ersten deutschen Shakespeare-Übersetzer Wieland benannt ist, 2006 den Übersetzerpreis der Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Stiftung. 2011 wurde Günther mit dem Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgezeichnet.

Seminartitel: „Der Geschmack der Wörter: Von der Ratio des Reims zur Poesie des Kalauers“

Projekte und Veranstaltungen

Übersetzertag im LCB

Übersetzertag 2017: Zaitenklänge. Geschichten aus der Geschichte der Übersetzung

Symposium zum 20. Jubiläum des Deutschen Übersetzerfonds am 20. Oktober 2017 im LCB

Das Programm als PDF zum Download

„Warum man Shakespeare nicht übersetzen kann und es trotzdem immer wieder tut“ – unter diesem Titel begeisterte einst Frank Günther das Berliner Publikum. In seiner schauspielerischen Darbietung setzte er den Übersetzer mal als gequälten, dann wieder als  listig zupackenden Sinnsucher und Problemlöser in Szene. Man schrieb den 13. September 1997 und Rosemarie Tietze hatte so manchen charismatischen Vertreter des Fachs eingeladen, die sprachlich-sinnliche Faszination des Übersetzens in unterschiedliche Darbietungsformen zu gießen. Mit diesem ersten „Übersetzertag“ im Literarischen Colloquium Berlin feierte man damals die Gründung des Deutschen Übersetzerfonds am Tag  zuvor.
Heute, 20 Jahre später, ist aus der Vereinsidee „Deutscher Übersetzerfonds“ eine Institution geworden, die der Förderung literarischer Übersetzerinnen und Übersetzer nicht nur eine feste Adresse gegeben hat, sondern auch einen organisatorischen Rahmen mit einer Vielfalt an Instrumenten und neuen Inhalten. Wir danken allen, die daran mitgearbeitet haben!
Ins Zentrum unseres Jubiläumssymposiums stehen Geschichten aus der Geschichte der literarischen Übersetzung. Man weiß: Die Blütezeiten der deutschen Literatur waren „belles époques“ der Übersetzungskunst. Der Reichtum unserer Literatur ist ohne den Austausch mit den Literaturen der Welt nicht denkbar. Übersetzungsgeschichte ist aber auch und vor allem Übersetzergeschichte, viel häufiger noch Übersetzerinnengeschichte, und beim Nachdenken darüber wird uns deutlich, wie wenig wir über Übersetzerinnen und Übersetzer vergangener Epochen wissen: eine Leerstelle unseres kulturellen Bewusstseins. Auf dem Weg zu einer Archäologie der Übersetzungskunst haben wir Übersetzerinnen und Übersetzer, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von heute damit beauftragt, aufschlussreiche Geschichten aus der Historie des Übersetzens als einer Geschichte des Sprachschöpfens zu entfalten.

Programm
10.00 Lessing ein Übersetzer! Moses Mendelssohn ein Übersetzer! Josef Winiger
11.00 Was aber bleibet … Übersetzer und ihre Nachlässe. Andreas Tretner über das Erforschen des Nachlasses der Hilde Angarowa. Andreas Kelletat über das Germersheimer Übersetzerlexikon uelex. Moderation: Albrecht Buschmann
12.15 „Großartig geschrieben!“ - Übersetzungsliteratur auf dem deutschen Buchmarkt 1933-1945. Christian Adam
14.45 Alles was Recht ist: Wie die Übersetzer zu Urhebern wurden. Ferdinand Melichar
15.30 Bikollaterale Baukunst. Korrelationen von Brückenarchitektur und Literaturübersetzung im Wandel der Jahrhunderte. Andreas Jandl
16.00 50 Jahre DÜF. Rosemarie Tietze und Maria Hummitzsch im spekulativen Dialog
17.00 Übersetzen als Schreiben, Schreiben als Übersetzen. Drei Grenzverletzungen mit Christian Hansen, Susanne Lange und Ulf Stolterfoht. Moderation: Katharina Raabe
20.00 Don DeLillo: „Great Jones Street“, deutsche Version. Siegerehrung und Gespräch zwischen der Preisträgerin/dem Preisträger und Ulrich Blumenbach. Moderation: Marie Luise Knott

Ausstellung in den Veranstaltungsräumen
Urbans Orbit. Einblicke in den Nachlass eines Übersetzers, kuratiert von Marie Luise Knott und Andreas Tretner. Zu sehen bis zum 9. Februar 2018 vor und nach den Abendveranstaltungen im Literarischen Colloquium Berlin.

  • Christian Adam, Leiter des Fachbereichs Publikationen im Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam. Autor der Studien Lesen unter Hitler (2010) und Der Traum vom Jahre Null (2016) über die Neuordnung der Bücherwelt in Ost und West nach 1945.
  • Ulrich Blumenbach, Übersetzer aus dem Englischen (u.a. David Foster Wallace, Joshua Cohen), Mitglied im Vorstand des Deutschen Übersetzerfonds, lebt in Basel.
  • Albrecht Buschmann, Professor für spansche und französische Literaturwissenschaft an der Universität Rostock und Übersetzer (u.a. Max Aub), lebt in Berlin.
  • Christian Hansen, Übersetzer aus dem Spanischen (u.a. César Aira, Roberto Bolaño, Alan Pauls), lebt in Berlin und Madrid.
  • Maria Hummitzsch, Übersetzerin aus dem Englischen und Portugiesischen (u.a. von David Garnett, Iris Murdoch, David Foster Wallace) und 2. Vorsitzende des VdÜ, lebt in Leipzig.
  • Andreas Jandl, Übersetzer aus dem Englischen und Französischen (u.a. Nicolas Dickner und J.A. Baker), lebt in Berlin.
  • Andreas Kelletat, Schriftsteller und Professor für Interkulturelle Germanistik an der Universität Mainz/Germersheim, Herausgeber des Germersheimer Übersetzerlexikons uelex.de, lebt in Mannheim.
  • Marie Luise Knott, Autorin und Übersetzerin, lebt in Berlin; Mitglied im Vorstand des Deutschen Übersetzerfonds; zuletzt erschien der Essay-Band Dazwischenzeiten (Matthes & Seitz, Berlin 2017)
  • Susanne Lange, Übersetzerin aus dem Spanischen (u.a. Miguel de Cervantes, Fernando del Paso und Yuri Herrera), lebt in Barcelona.
  • Prof. Dr. Ferdinand Melichar, Urheberrechtler, langjähriges geschäftsführendes Vorstandsmitglied der VG Wort, lebt in München.
  • Katharina Raabe, Lektorin für osteuropäische Literaturen im Suhrkamp Verlag, lebt in Berlin.
  • Ulf Stolterfoht, Dichter, Übersetzer und Verleger (Brueterich Press), lebt in Berlin; zuletzt erschien der Gedichtband neu-jerusalem (kookbooks, Berlin 2015).
  • Rosemarie Tietze, Literaturübersetzerin aus dem Russischen (u.a. Lew Tolstoi, Andrej Bitow), unterrichtet Übersetzen und präsentiert übersetzte Literatur in den Medien. Auf ihre Initiative wurde 1997 der Deutsche Übersetzerfonds gegründet, den sie bis 2009 leitete.
  • Andreas Tretner, Übersetzer aus dem Russischen und Bulgarischen (u.a. Vladimir Sorokin, Alexander Ilitschewski), lebt in Berlin.
  • Josef Winiger, Übersetzer aus dem Französischen (u.a. Georges Simenon, Jean Rouaud) und Autor einer Feuerbach-Biografie, lebt im Allgäu.

Das Symposium wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Die Kulturstiftung der Länder ermöglichte die Realisierung des Übersetzungswettbewerbs „Great Jones Street“.

Übersetzertag 2016: Kannitverstan

Übersetzertag übers (Nicht-)Verstehen mit Vorträgen und Gesprächen, am 19.11.2016 im Literaturhaus München. Konzeption: Marie Luise Knott und Elke Schmitter.

Übersetzer gelten als Spezialisten des Verständlichmachens. Was aber, wenn das Mehrdeutige, das Vage und Unverständliche nicht Betriebsunfälle der Literatur sind, sondern zu ihren Ur-Elementen zählen? Zwischen den Vorträgen zeigt der Dichtungschor rund um Hanns Zischler, wie sich Lyrik chorisch übersetzen lässt.

Programm
14.05 Muttersprache Shakespeare
„Denk ich an Europa, denk ich an Shakespeare“, sagt ALIDA BREMER. „Wir sind aus Übersetzung und Unterwanderung gemacht.“ Die Autorin und Übersetzerin hinterfragt Konzepte wie „Mutter“sprache und „National“literatur.
14.50 Drei Worte noch, und dann wird Sprache enden
Shakespeares Gesamtwerk alleine ins Deutsche zu übertragen – das ist vor FRANK GÜNTHER keinem gelungen. Shakespeare, so Günther, schlug Sprachfunken aus der Erkenntnis, dass alles Reden statt zur Wahrheit in den Irrgarten führt. Was aber übersetzt man dort?
Lyrisches Zwischenspiel: Dichtungschor
HANNS ZISCHLER verteilt die Verse von zumeist übersetzten Dichter_innen auf fünf bis sieben Stimmen. So haben Sie Dickinson, Shakespeare und Co. noch nie gehört!
16.15 Sag Wahrheit ganz, doch sag sie schräg
1789 Gedichte schrieb Emily Dickinson, zehn wurden zu ihren Lebzeiten veröffentlicht. Heute, 100 Jahre später, werden die Verse der Puritanerin aus Massachusetts sogar in Japan gefeiert. Ein Missverstehen? Ein Materialvortrag der Dickinson-Übersetzerin GUNHILD KÜBLER.
17.00 Zwischen Verständniswunsch und Veständnisterror / Übersetzen als „Selbstfremdmachung“ des Verstehens
„Verstehen macht die Welt klein, sich mit dem Nichtverstehen arrangieren macht sie obskur“, meint der Spanisch-Übersetzer CHRISTIAN HANSEN. Der Arabisch-Übersetzer STEFAN WEIDNER wiederum verteidigt den Übersetzer als Hüter des Unverständlichen. Als spekulativen Abschluss loten sie mit Elke Schmitter Grenzen und Chancen des (Nicht-)Verstehens aus.

Der Deutsche Übersetzerfonds lädt jährlich Fachleute und Interessierte ein, über Themen des Übersetzens zu debattieren. In Zusammenarbeit mit dem forum:autoren findet diese Tagung erstmals im Literaturhaus München statt.
Veranstaltungsort: Literaturhaus, Bibliothek

Übersetzertag 2015: Denn wir haben Deutsch. Luthers Sprache aus dem Geist der Übersetzung

Am 25. September 2015 im LCB, Konzeption: Marie Luise Knott.

Programm als PDF.

Zu Luthers Zeit war die westliche Welt im Aufruhr. Das geozentrische Weltbild wankte, Magellan umsegelte die Erde, Paracelsus begründete die empirische Medizin, Da Vinci zeichnete das erste Flugzeug und Luther befreite Gottes Worte aus der römischen Vorherrschaft der Vulgata. Die Rolle des Reformators als Mitbegründer der neuhochdeutschen Schriftsprache ist bekannt – in seiner Bibelübersetzung findet er eine je eigene Sprache für die Poesie der Psalmen und des Hohen Lieds, für Gottes Rede im Buch Hiob wie für die Beredsamkeit Jesajas. Mit ihm steige »die fülle und freiere behandlung der literatur«, urteilte Jakob Grimm in der Vorrede zum Deutschen Wörterbuch. Und Hans Sachs, der Meistersinger, rühmte ihn »Die Wittenbergisch Nachtigall«.
Luther ging zum Metzger und lernte, wie ein Hammel geschlachtet wurde, er transponierte die „verblümten Worte“ des Hebräischen ins Deutsche, befragte die Handwerker nach ihrem Werkzeug, sammelte Volksweisheiten und Volkslieder und schuf sich so den berühmten »großen Vorrat an Worten« aus allen ihm zur Verfügung stehenden Denk-, Sprach- und Klangregistern. Dabei war er überzeugt: ohne den „Verstand Christi“ ist auch die Kunst der Sprache nichts.

Der Übersetzertag 2015 widmet sich Martin Luthers Sprache. Anlass ist das Erscheinen des Buches Denn wir haben Deutsch. Luthers Sprache aus dem Geist der Übersetzung, herausgegeben von Marie Luise Knott, Thomas Brovot und Ulrich Blumenbach (Verlag Matthes & Seitz Berlin). In den 15 Beiträgen des Bandes legen sich 8 literarische Übersetzer und 7 Schriftsteller mit viel Sinn fürs Feinstoffliche eigene Zugänge zu den Schriften des Übersetzer-Ahnen. Sie lassen sich kritisch mitreißen von Luthers Mission und Erfindungsgabe.

Programm
16 Uhr Begrüßung
Jürgen Jakob Becker, Marie Luise Knott, Der Geist der Übersetzung
16.15 Uhr Vortrag
Sibylle Lewitscharoff, Über Wortgewalt
16.45 - 18.15 Uhr Podium: Vom Geist der Übersetzung
Christian Hansen, Jan Wagner und Susanne Lange im Gespräch mit Lothar Müller 
18.15 - 18.25 Uhr Zwischenspiel: Großen Vorrat 1. Nora Gomringer  liest Luther
18.30 Uhr Empfang
19.30 Uhr Auftakt: Luther und Melanchton
Josef Winiger
19.50 Uhr Zwischenspiel: Großer Vorrat 2. Nora Gomringer liest Luther
20.00 Uhr Podium: Und haltet mir meinen Groove zugute
Marcel Beyer, Nora Gomringer, Monika Rinck und Ulf Stolterfoht im Gespräch mit Heinrich Detering 

Personalia

  • Jürgen Jakob Becker lebt als Geschäftsführer des Deutschen Übersetzerfonds und stellvertretender Leiter des Literarischen Colloquiums in Berlin.
  • Marcel Beyer: Schriftsteller und Übersetzer, lebt seit 1996 in Dresden; zuletzt erschien »XX. Lichtenberg-Poetikvorlesungen« (Göttingen 2015).
  • Heinrich Detering Dichter, Hochschulprofessor und Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, lebt in Göttingen; zuletzt erschien »Wundertiere« (Göttingen 2015).
  • Nora Gomringer lebt als Dichterin und Performance-Künstlerin in Bamberg, wo sie das Künstlerhaus Villa Concordia leitet; zuletzt erschienen die Lyrikbände »Mein Gedicht fragt nicht lange reloaded« sowie »Morbus« (Dresden und Leipzig 2015).
  • Christian Hansen: Übersetzer aus dem Spanischen und Französischen (u.a. Roberto Bolaño, Alan Pauls); lebt heute in Berlin und Madrid.
  • Martina Kempter: Übersetzerin aus dem Italienischen (u.a. Carlo Ginzburg und Alberto Savinio), lebt in Berlin.
  • Marie Luise Knott: Autorin, Kritikerin und Übersetzerin, lebt in Berlin; zuletzt erschien ihre Übersetzung von Anne Carson, »Anthropologie des Wassers«, (Berlin 2014).
  • Susanne Lange: Übersetzerin aus dem Spanischen (u. a. Miguel de Cervantes, Fernando del Paso und Yuri Herrera), lebt derzeit in Barcelona.
  • Sibylle Lewitscharoff: Schriftstellerin, lebt in Berlin; zuletzt erschien »Killmousky« (Berlin 2014).
  • Lothar Müller: Autor und Literaturkritiker der Süddeutschen Zeitung, lebt in Berlin; zuletzt erschien »Weiße Magie. Die epoche des Papiers« (München 2014).
  • Monika Rinck: Schriftstellerin, Dichterin und Übersetzerin, lebt in Berlin; zuletzt erschien »Risiko und Idiotie: Streitschriften« (Berlin 2015).
  • Ulf Stolterfoht: Dichter, Übersetzer und Verleger (brüterich press), lebt in Berlin; zuletzt erschien »Neu-Jerusalem« (Berlin 2015).
  • Jan Wagner: Schriftsteller, Dichter und Übersetzer, lebt in Berlin; zuletzt erschien »Regentonnenvariationen« (München 2014).
  • Josef Winiger: Übersetzer und Autor, lebt im Allgäu; zuletzt erschien »Ludwig Feuerbach. denker der Menschheit« (Darmstadt 2011).

Eine Veranstaltung des Deutschen Übersetzerfonds und des Literarischen Colloquiums Berlin.

Das Projekt „Denn wir haben Deutsch“ wird gefördert von der Beauftragten für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Übersetzertag 2014: Sprach-Kreuzungen. Gemischtsprachliches von Martin Luther bis Aykut Anhan

Am 26.09.2014 im LCB, Konzept und Leitung: Gabriele Leupold und Eveline Passet.

Nicht erst seit es Rap-Texte gibt, arbeiten Übersetzer mit literarischen Werken, in denen Sprachen auf unterschiedliche Weise gemischt werden: Das Problem stellte sich bereits dem Rabelais-Nach- und Weiterdichter Johann Baptist Fischart. Dennoch galten mischsprachliche Phänomene lange Zeit als unübersetzbar, da das Deutsche sie angeblich nicht oder fast nicht kennt. Wie aber sieht es tatsächlich mit dem Multisprech in Geschichte und Gegenwart des Deutschen aus? Die makkaronische Dichtung eines Sebastian Brant oder Hans Sachs und noch das Studentenlied des 19. Jahrhunderts gewinnen ihre Komik aus den vorwiegend lateinischen, aber auch griechischen oder französischen Einsprengseln und Verballhornungen. Die höfisch-gebildete Unterhaltungsliteratur liebte den Gallizismus, und im Baltikum oder in multikulturellen Städten wie Czernowitz war für viele Menschen das Switchen  zwischen zwei und mehr Sprachen selbstverständlich. Dort, wo durch Auswanderung deutsche Sprachinseln entstanden, vermischten sich im Alltag nicht nur Umgebungs- und mitgebrachte Sprache, sondern auch das Deutsche mit dem Deutschen, genauer: Dialekt mit Dialekt, so dass sich neue Mundartvarietäten herausbildeten. „Sprachkontaktphänomene“ und „Hybridisierung“ nennt die Linguistik solche Erscheinungen, Sprachentwicklung ist ohne sie nicht denkbar, Literatur schon gar nicht. Der Übersetzertag 2014 wirft den Blick auf mehr als 500 Jahre Crossover im geschriebenen und gesprochenen Deutsch, mit Vorträgen, akustischen und visuellen Sprachbeispielen und künstlerischen Auftritten. Damit knüpfen wir an den Übersetzertag 2012 und eine Reihe der Buchbeiträge zu Im Bergwerk der Sprache an.

Programm
14:00 Uhr Begrüßung
14:15 Uhr Christine Ganslmayer: „Cum acho et cracho” – Deutsch-lateinische Begegnungen. Sprachmischung erzielt vielfältige Wirkungen, besonders deutlich lässt sich dies an der langen Kontaktgeschichte von Deutsch und Latein illustrieren. Christine Ganslmayer erkundet die Bedingungen teutonisch-römischer Kreuzungen und widmet sich der Frage, wie nachhaltig das deutsche Sprachsystem vom Lateinischen geprägt wurde. Im Zentrum der Betrachtung stehen Beispiele aus Mündlichkeit und Schriftlichkeit vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
15:10 Uhr Peter Eisenberg: Sprachmischung in literarischer Prosa: Englisch und Deutsch. Auch in literarischen Texten und ihren Übersetzungen finden wir unterschiedliche Arten von Sprachmix. Am Sprachenpaar Englisch – Deutsch wird gezeigt, wie strukturelle Unterschiede zu dieser Amalgamierung führen. Einige dieser Unterschiede sind so erheblich, dass eine Übersetzung ‚eng am Original’ gar nicht möglich ist. Gerade deshalb lässt sich auch bei guten Übersetzungen häufig auf die Ausgangssprache rückschließen, ihr Einfluss auf den Text in der Zielsprache dingfest machen.
16:10 Uhr Alfred Wildfeuer: business rennen und lorry treiben: Kontaktphänomene bei deutschbasierten Minderheitensprachen. Vorgestellt wird eine Auswahl von Sprachkontaktphänomenen, die in deutschsprachigen Siedlungen Europas, Amerikas und Neuseelands zu beobachten sind. Neben Wort- und Strukturentlehnungen geht es auch um Switching-Phänomene. Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt auf deutschböhmischen Siedlungen in Neuseeland, Rumänien, der Ukraine und Nordamerika.
17:15 Uhr Volker Hinnenkamp: Wolfgang Wolf’un oğlu Molf - Gemischtsprachige Performances. Eine Sprache? Zwei Sprachen? Polylingualer Mischmasch? Über die Verwendung kunstvoller Mischformen zwischen Deutsch und Türkisch, die die jugendlichen Mischer karışık (gemischt, bunt) nennen. Karışık sprechen hat unterschiedliche – poetische, ästhetische, soziale – Funktionen, so werden auch normative Setzungen ‚von oben‘ umgangen und eigene Normen ‚von unten‘ geschaffen.
19:30 Uhr Bert Papenfuß: Solaris korrigiert. Der norwegische Lyriker Øyvind Rimbereid erfand für Solaris korrigiert eine Kunstsprache aus Stavanger-Dialekt, Lowland Scots, Englisch, Niederländisch und Dänisch, gemischt mit Formen der Altnordischen Sprache. Bert Papenfuß hat sie (unter Mitarbeit von mehreren Kollegen) übertragen und aus der synthetischen Nordseesprache eine utopische Ostseesprache entwickelt – ein Feuerwerk aus  Pommersch Platt, Russisch, Polnisch, Kaschubisch und Mittelhochdeutsch.
20:10 Uhr Jayrôme C. Robinet: „Der mur du son muß weg!“. In seiner hybridisierten Sprache nimmt Jayrôme C. Robinet den Klang ernst und schafft eine neue Poetik der Phonetik. Auf Dantschzösich und franllemand.
20:45 Uhr Odile Kennel: Wilde Sonette, oder: 50 Arten, Portuñol zu übersetzen. Portunhol selvagem ist eine Alltagsmischsprache aus dem brasilianisch-uruguayischen Grenzgebiet und wird von ca. 600 Mio. Menschen verstanden. Es gibt kein vergleichbares grenzüberschreitendes Phänomen, an dem die deutsche Sprache beteiligt wäre.  Aber gibt es die deutsche Sprache überhaupt? Und was ist reizvoller als Unübersetzbarkeit par excellence?
21:20 Uhr Zé do Rock: NIXU PRO PURISTIS. Der schriftsteller und kabaretist präsentiert sein ultradoitsh, wunschdeutsch, Siegfriedisch, kaudadeutsh, metaschwabisch, europano, afrikaans-duits, russkи дeutsch, türküş-doyc, islandsk-deutsk - was das herz so begeert. Danach muss ma nix mer trinken, man is auch so schon besoffen.

Personalia

  • Peter Eisenberg, Prof. emeritus für deutsche Philologie. Seine Hauptwerke sind: Grundriss der deutschen Grammatik. 2 Bde. Stuttgart/Weimar 2013 (4. Aufl.); Das Fremdwort im Deutschen. Berlin/New York 2012 (2. Aufl.); Duden. Gutes und richtiges Deutsch. Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle. Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007 (6. Aufl.). Er erhielt den Deutschen Sprachpreis (1996) und den Konrad-Duden-Preis (2009).
  • Christine Ganslmayer, Akademische Rätin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg. Ihre Hauptarbeitsgebiete umfassen historische deutsche Sprachwissenschaft (Mittelhochdeutsch, Frühneuhochdeutsch), Wortbildung, Lexikologie, Syntax und Textlinguistik. Ein besonderes Forschungsinteresse gilt dem lateinisch-deutschen Sprachkontakt. Gegenwärtig ist sie an der Überarbeitung der Luther-Bibel beteiligt. Für ihre Dissertationsschrift wurde sie mit dem Theodor-Frings-Preis (2014) ausgezeichnet.
  • Volker Hinnenkamp ist seit 2002 Inhaber einer Professur für „interkulturelle Kommunikation“ an der Hochschule Fulda, wo er den internationalen Masterstudiengang „Intercultural Communication and European Studies“ (ICEUS) leitet. Er lebt in Augsburg und Hamburg. Forschung und Publikationen zu „Gemischtsprechen“ und „Interkultureller Diskursanalyse“; aktuell Mitherausgeber von Lebenswelt und Ethnographie sowie Interkulturalität und Europäische Integration. 
  • Odile Kennel, 1967 geboren als Kind einer deutsch-französischen Städtepartnerschaft und zweisprachig aufgewachsen, übersetzte Dichter wie Arnaldo Antunes, Carlitos Azevedo, Jacques Darras, D.G. Helder, Adília Lopes und Nicole Brossard für Zeitschriften, Poesiefestivals und Lyrikseiten, sowie – in Verlagsausgaben – die Dichter_innen Jean Portante (Luxemburg), Damaris Calderón (Kuba) und Angélica Freitas, Ricardo Domeneck, Érica Zíngano (alle Brasilien). 2011 erschien ihr Roman Was Ida sagt, 2013 ihr Gedichtband Oder wie heißt diese interplanetare Luft.
  • Gabriele Leupold, Studium der Slavistik und Germanistik in Mainz, Göttingen, Konstanz und Moskau. Literaturübersetzerin vor allem aus dem Russischen, u.a. Michail Bachtin, Osip Mandelstam, Boris Pasternak, Vladimir Sorokin, Andrej Belyj, Warlam Schalamow. Seit Anfang der neunziger Jahre zahlreiche Workshops für Übersetzer. Co-Autorin der Videodokumentation Spurwechsel. Ein Film vom Übersetzen (2003), Mitherausgaben: In Ketten tanzen. Übersetzen als interpretierende Kunst (2008) und Im Bergwerk der Sprache. Eine Geschichte des Deutschen in Episoden (2012).
  • Bert Papenfuß war Elektronikfacharbeiter, Ton- und Beleuchtungstechniker und Bausoldat bei der NVA und seit 1980 einer der Protagonisten der alternativen Künstlerszene in Prenzlauer Berg. Da seine Publikationsmöglichkeiten eingeschränkt wurden, trug der Lyriker seine Texte in Begleitung verschiedener Rock- und Punkbands vor. Von 1999 bis 2009 war er Mitbetreiber des Kaffee Burger, wo er das Kulturprogramm „Salon Brückenkopf“ koordinierte, er arbeitet als Redakteur bei der Zeitschrift Abwärts! und betreibt seit 2010 die Kulturspelunke Rumbalotte continua.
  • Eveline Passet studierte Slavistik in Paris und Moskau. Übersetzerin aus dem Französischen und Russischen, u. a. von Alexander Kuprin, Wassili Rosanow, Wassili Golowanow, Benjamin Constant, Alphonse Daudet, Daniel Pennac. Rundfunkautorin (künstlerische und Literaturfeatures); verschiedene Veröffentlichungen zu Ilja Ehrenburg. Co-Autorin von Spurwechsel. Ein Film vom Übersetzen (2003), Mitherausgeberin von Im Bergwerk der Sprache. Eine Geschichte des Deutschen in Episoden (2012). Zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen für Literaturübersetzer.
  • Jayrôme C. Robinet, 1977 in Frankreich geboren, ist freier Autor, Übersetzer, Poetry Slammer, Akademiker aus einer bildungsbürgertumsfernen Familie. Er wird, obwohl weiß, in Deutschland meistens als Person of Color gelesen, und ist gender fluid mit Variationshintergrund. In Frankreich erschienen die Erzählbände Vous avez le droit d’être de mauvaise humeur, mais prévenez les autres ! (2005) und Faut-il croire les mimes sur parole ? (2007), in Deutschland erscheint 2015 Das Licht ist weder richtig noch unrichtig, Theater & Lyrik.
  • Alfred Wildfeuer hat zu einem varietätenlinguistischen Thema an der Universität Regensburg promoviert. Seine Habilitation verfasste er zu deutschsprachigen Siedlungen in Nordamerika und Neuseeland. Er ist Professor für Variationslinguistik / Deutsch als Zweit- und Fremdsprache an der Universität Augsburg.
  • Zé do Rock is vor verdammt langa zait in Brasilien geboren, hat 14630 tage gelebt, 1357 liter alkohol gesoffen, 940 stunden flöte und 648 stunden fussball gespielt, 200.000 km in 1457 autos, flugzeugen, shiffen, zügen, oxenkarren und traktoren getrempt, 135 lenda und 16 gefengnisse besucht, sich 8 mal ferlibt, 2 filme gedreet, aine kunstsprache erfunden, merere ferainfachte deutsh-varianten kreirt, 5 bücha gesriben, hat nix studirt und lebt noch hoite, maistens zwishen Stuttgart und Mynchen.

Eine Veranstaltung des Deutschen Übersetzerfonds und des Literarischen Colloquiums Berlin

Übersetzertag 2012: Im Bergwerk der Sprache

Am 28. September 2012 im LCB.
Programm als PDF.

Unter den Schreibenden stehen die Literaturübersetzer vor einer ganz besonderen Herausforderung. Sie müssen die Sprache, die andere in unterschiedlichen Epochen geschaffen und in verschiedenste Formen gegossen haben, nachschaffen: ob im Roman oder im mundartlichen Theaterstück, im wissenschaftlichen Traktat oder in Briefen und Lebenserinnerungen. Die Schichten und Lagen der Sprache, aus der und besonders in die sie übersetzen, müssen sie sich gezielt zu erschließen wissen. Und weil auch andere Sprachinteressierte von ähnlichen Fragen umgetrieben werden, entstand vor einigen Jahren die Idee zu einer von Gabriele Leupold und Eveline Passet kuratierten Veranstaltungsreihe im Literarischen Colloquium Berlin, die sich ausgewählten Aspekten der deutschen Sprachgeschichte widmet.
Unter dem Titel „Im Bergwerk der Sprache. Eine Geschichte des Deutschen in Episoden“ haben Gabriele Leupold und Eveline Passet jetzt im Wallstein Verlag ein Kompendium herausgegeben, das höchst unterschiedliche Facetten der deutschen Literatursprache beleuchtet. Den Grundstock bilden Referate der Seminarreihe, die Auswahl der Themen war von den Problemen geleitet, die in der Praxis des literarischen Übersetzens immer wieder auftauchen. „Im Bergwerk der Sprache“ ist der Ausgangspunkt für den diesjährigen Übersetzertag, den der Deutsche Übersetzerfonds seit 1997 regelmäßig im LCB veranstaltet.
Sprachgeschichtliches und Osteuropäisches spielen beim diesjährigen Übersetzertag eine große Rolle. Wir geben Einblicke in die Arbeit an der ‘Durchsicht’ Lutherbibel zum Reformationsjubiläum 2017 und berichten von einem Workshop mit Literaturübersetzern und Mitgliedern des EKD-Lenkungsausschusses. Wir beschäftigen uns mit dem Deutschen in der Diaspora, den Varianten des Deutschen also, die sich wie z.B. das Rumäniendeutsche außerhalb des geschlossenen deutschen Sprachgebiets entwickelt und teilweise bis heute behauptet haben. Wo immer diese Varietäten in den letzten 200, 250 Jahren gesprochen wurden (und werden), standen sie in einem fruchtbaren Kontakt mit den sie umgebenden Mehrheitssprachen wie auch dem Jiddischen.
Nicht nur im Raum lesen wir die Zeit, um Karl Schlögel zu paraphrasieren, sondern auch in Lehnwörtern, Koseformen oder Syntaxverschiebungen. Wie sehr Zitat, Mimikry, Plagiat „und andere Übersetzungen“, möglicherweise auch der heimische Dialekt als Reservoir und Klangraum ins dichterische Schreiben einfließen, untersuchen der Banater Dichter Ernest Wichner und der schwäbische Poet Ulf Stolterfoht. Am Ende des Tages steht eine Vokalperformance der „Maulwerker“.

Programm
14.30 Uhr Vom Weinberg des Herrn ins Bergwerk der Sprache.
Die Lutherbibel, neu durchgesehen. Podiumsgespräch mit Martin Rösel, Landesbischof i.R. Christoph Kähler, Thomas Brovot und Susanne Lange. Moderation: Albrecht Buschmann
Zum Reformationsjubiläum 2017 wird im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland eine „durchgesehene“ Fassung der Lutherbibel erscheinen. Neue philologische Erkenntnisse gilt es einzuarbeiten und Fehler auszubessern. „Der Wortlaut darf nur dort verändert werden, wo es die Treue zu den biblischen Zeugen zwingend erfordert.“ Es gehe nicht um eine Revision, und es sei „nicht Ziel der Arbeit, die Lutherbibel modernem Deutsch anzunähern“, heißt es aus der zuständigen Kommission. Doch was geschieht, wenn sich Sprache, das Verständnis von Begriffen und Wendungen wandelt? Wie weit kann man in diesen für die deutsche Sprache und Kultur so prägenden Grundtext eingreifen, ohne ihn in seiner Anmut und Sprachkraft zu beschädigen? Das Thema beschäftigt Laien wie Fachleute – und eine Reihe von Literaturübersetzern, die sich im Vorfeld des Übersetzertages mit Mitgliedern des EKD-Lenkungsausschusses in einem Seminar über einzelne Texte gebeugt haben. Ein Zwischenbericht.
16.15 Uhr Deutsch in der Diaspora
Außerhalb des Binnensprachgebiets steht das Deutsche zumindest seit frühneuhochdeutscher Zeit im Kontakt mit anderen Sprachen. Das hat seine Gestalt wie das Schreiben der Autoren geprägt. András F. Balogh, Manfred Michael Glauninger und Hermann Scheuringer unternehmen im Gespräch mit Gabriele Leupold und Eveline Passet eine Reise durch 500 Jahre „kakanische“ Sprachkontaktgeschichte.
19.30 Uhr Buchpräsentation: „Im Bergwerk der Sprache“ mit Gabriele Leupold und Eveline Passet. Moderation: Martina Kempter
20.30 Uhr Aus jed’r Gass n’ Hund? 
Ernest Wichner und Ulf Stolterfoht über Zitate, Plagiate, Mimikry und andere Übersetzungen
Moderation: Sabine Küchler
„Steinsuppe“, nannte Ernest Wichner seinen ersten Gedichtband.  Auf der Sprachinsel der Banater Dichter war Tauschhandel mit Worten, Bildern und Klängen lebensnotwendig, und jeder wusste, dass seine Literatur, wie die „Steinsuppe“ der Bettler, viele fremde Ingredienzien enthält.  Auch in Ulf Stolterfohts  „fachsprachen“- und „heslach“-Zyklen wird zitiert, plagiiert und Mimikry betrieben,   „kopfhals ins ungesicherte hinein“. In Lesung und Gespräch präsentieren die beiden Autoren ihre poetischen Übersetzungen durch Zeiten und Räume.
21.30 Uhr An-sätze, Redeübungen, Maulwerke
Eine Vokalperformance der „Maulwerker“ mit Werken von Dieter Schnebel
Ausführende: die Maulwerker Katarina Rasinski, Ariane Jeßulat und Tilmann Walzer
Der Komponist Dieter Schnebel schuf mit „Maulwerke“ (1968-74) ein Grundlagenwerk moderner Vokalmusik. Die Maulwerke gehören zur Kategorie des „offenen Werks“. Sie stellen sich den Interpreten nicht fertig ausnotiert, sondern als Materialpartitur dar, die – dem Übersetzungsprozess nicht unähnlich – jeweils neu erarbeitet werden will. Die Mund-, Zungen-, Lippen-, Kehlkopf-, Lungen- und Zwerchfellbewegungen werden in „An-sätze“ (1985) und „Redeübungen“ (1983-84) aus dem Zyklus „Laut-Gesten-Laute“ mit Bewegungen des ganzen Körpers in Beziehung gesetzt.

Eine Veranstaltung des Deutschen Übersetzerfonds und des Literarischen Colloquiums Berlin. Gefördert von der Robert Bosch Stiftung GmbH und dem Centre de Traduction Littéraire de Lausanne. Im Rahmen von PETRA (Europäische Plattform für Literaturübersetzung), gefördert von der Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles & Kultur der Europäischen Kommission.

Übersetzertag 2010: Das Gleiche. Noch einmal. Anders - Wie, wann und warum wir Klassiker neu übersetzen

Der diesjährige Übersetzertag besteht aus einem zweitägigen Symposium zum Thema „Nachleben der Weltliteratur“.
Die Veranstaltung findet vm 4. und 5. März 2010 im Literarischen Colloqium Berlin statt.
Programm als PDF.

Übersetzertag 2008: Happy bin ich schon, aber glücklich bin ich nicht – Autoren übersetzen sich selbst

Am 6. Juni 2008 im Literarischen Colloquium Berlin. Konzept: Marie Luise Knott

Worte schmecken und riechen in den Sprachen verschieden und fühlen sich verschieden an. Begriffe haben unterschiedliche Konnotationen. Nicht selten tragen die Worte verschiedenes politisches Gepäck. Was bedeutet dies für Autoren, die, aus welchem Zwang, welcher Hoffnung auch immer, das Land und die Schreibsprache wechseln? Was macht dies mit ihren Texten? Der Übersetzertag 2008 widmet sich der Frage: Was geschieht, wenn Schriftsteller sich selbst übersetzen? Von Nabokovs „Speak, Memory“ etwa gibt es mehrere Fassungen: eine „Original“-Englische, eine selbstübertragene Russische, dann eine zweite Englische, in der mehrere der russischen Veränderungen aufgenommen wurden. „Diese Wieder-Anglisierung einer russischen Wieder-Durcharbeitung dessen, was ganz am Anfang eine englische Wiedergabe russischer Erinnerungen gewesen war, erwies sich als eine höllische Aufgabe“, beschreibt Nabokov die Arbeit. Auch im Werk der politischen Theoretikerin Hannah Arendt, deren Texte ähnliche Metamorphosen durchliefen, war das Übersetzen – die Spannung aus Tradiertem (Mitgenommenen) und Fremdem (Angetroffenen) – ein konstitutives Moment des Schreibens. Und Samuel Beckett verfasste seine Stücke nicht nur in zwei Sprachen – mal war das Englische die erste Fassung, mal das Französische –, sondern hatte beim Schreiben teilweise konkrete Schauspielerstimmen im Sinn. Die Autorin und Übersetzerin Esther Kinsky untersucht sinnliche Eindrücke im Sprachtransport und die Dichterin Antjie Krog aus Südafrika, die auf Afrikaans schreibt und sich selbst übersetzt, bringt zwei Kulturen in einem Land zu Gehör.

Programm
15.00 Uhr Begrüßung
15.10 Uhr Georg Witte: „Vladimir Nabokov – Schreiben als Übersetzen“. Einleitende Worte und Gespräch: Rosemarie Tietze
16.20 Uhr Esther Kinsky: The Colour of Memory /Die Farbe der Erinnerung – Licht, Farbe und Klang beim Übersetzen zweier Prosagedichte
17.20 Uhr Marie Luise Knott: Der Teufel sollte die Zweisprachigkeit holen – Hannah Arendt übersetzt sich selbst
19.30 Uhr Hanns Zischler: „Samuel Beckett – La dernière bande und Krapp’s Last Tape“ – ein Kommentar mit Videoeinspielungen
21.00 Uhr Antjie Krog: „In the Name of the Other – Poetry in Self-translation“, Afrikaans und Englisch mit Erläuterungen

Übersetzertag 2007: Übersetzungskultur - Was sie prägt, was ihr fehlt. 10 Jahre Deutscher Übersetzerfonds

Am 21. September 2007 im Literarischen Colloquium Berlin.
Projektleitung und Moderation: Ulrich Blumenbach und Rosemarie Tietze

Übersetzungskultur – was sie prägt, was ihr fehlt
Wir schürfen tief, decken Kulturschichten auf, die beim Thema Übersetzen selten gesehen werden, und mauern weiter an unseren Fundamenten.

Programm
10 Uhr:
Erste Gesprächsrunde. Über die (versteckten) Prägungen. Moderation: Denis Scheck
Jürgen Trabant: Von Kratylos zu Agamemnon
Sibylle Lewitscharoff: Botschaftsverkehr zwischen Oben und Unten
Zweite Gesprächsrunde. Über die Rohbauten. Moderation: Claus Sprick
Werner von Koppenfels: Demut plus Übermut. Historische Anmerkungen zu einem unmöglichen Metier
Denis Scheck: Ich soll keine Lügen erzählen. Von Schlammblütern, Tintenblut und den Kriterien einer perfekten literarischen Übersetzung
Als Gast diskutiert mit: Umberto Eco
Babeliaden. Kreative Umkreisungen des Übersetzens: Übersetzer sind Steigbügelhalter der Musen. Können sich Polyhymnia, Terpsichore und ihre Schwestern mit Hilfestellungen revanchieren?
Erster Akt,  Beginn: 17 Uhr
Musikalische Einleitung mit Frank Heibert in Klavierbegleitung
soft reset: Claus Sprick lüftet das Übersetzerhirn
Sirenengesänge: Frank Günther lauscht seinen Vorgängern – oder lieber nicht?
Textfrustbewältigung durch Malen & Modellieren
Bilder und Objekte von Thomas Stegers und Cornelia Holfelder-von der Tann
Zweiter Akt
Beginn: 20 Uhr
Über die allmähliche Verfertigung des Textes beim Tanzen: Miriam Mandelkow und Isabel Bogdan bei der Rhythmusarbeit
Der Sachse ohne Dialekt: Gunter Böhnke wandelt auf der wuhdschen Strahse
It don’t mean a thing if it ain’t got that swing: Frank Heibert singt das Ding

Die Veranstaltungen zum Jubiläum des Deutschen Übersetzerfonds wurden gefördert von der Kulturstiftung des Bundes
 

Übersetzertag 2006: Wortklauber und Satzbauer. Übersetzer und Schriftsteller – die Sprachwerker

Am Mittwoch, 24. Mai 2006, im Literarischen Colloquium Berlin.

Das Wörterklauben und Sätzebauen, das Basteln und die Feinarbeit an der Sprache stehen im Mittelpunkt des Übersetzertages 2006 im LCB. Das gemeinsam mit dem Deutschen Übersetzerfonds gestaltete Programm gewährt Einblicke in Problemlagen und Lösungsstrategien des Übersetzens:

16 - 19 Uhr „Hilfe - ein Gedicht!“ Bei Panik vor der Lyrik empfiehlt Christa Schuenke eine Versfußpflege. In die Untiefen der Recherche hinein und wieder hinaus führt die Sachbuchexpertin Irene Rumler. „Auf ins Getümel!” – unerschrocken gibt sich Cornelia Holfelder-von der Tann bei ihrer Begegnung mit dem Historischen Roman. Josef Winiger zeigt sein Sprachspielzeug, während Irmela Brender kindgerecht übersetzt. Über den Umgang mit Umgangssprache spricht Ulrich Blumenbach. Die genannten Referenten haben Seminare des Deutschen Übersetzerfonds geleitet und demonstrieren Beispiele aus der Workshoppraxis.

20.00 Uhr Podiumsdiskussion mit Marcus Ingendaay, Katja Lange-Müller, Jan Wagner, Anne Weber. Moderation: Denis Scheck
Sprachschöpfer und Handwerker des Schreibens sind sie beide – aber wie unterscheidet sich die Feinarbeit an der Sprache bei Übersetzern und Schriftstellern? Denis Scheck befragt Übersetzer, die „es” schon getan haben, und die Autorin Katja Lange-Müller, die einen Schreibkurs mit Übersetzern leitete.

Gemeinsame Veranstaltung mit dem Deutschen Übersetzerfonds. Gefördert von der Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur.

Übersetzertag 2004: An den Wassern von Babylon 

Am Freitag, 23. Juli 2004 im Literarischen Colloquium Berlin.

Der Übersetzertag 2004 führt zurück zu den Ursprüngen von Vielsprachigkeit und Schrift. Wir folgen Claudia Ott in die Welt der Basare und Kalifen, die in ihrer Neuübersetzung der Erzählungen aus Tausendundeine Nacht erstmals in einer von europäischen Übermalungen, Ausschmückungen und Prüderien freien Form zu lesen sind. „Black Box in Babylon“ nennt sich ein kabarettistisches Experiment, das endlich Licht bringt in den rätselhaften Vorgang des Literaturübersetzens. Und wir führen ein Streitgespräch über das Scheitern, das Gelingen und das Meistern von Übersetzungen, und wie man das erkennt.

Programm
16.00 Uhr BEGRÜSSUNG: Rosemarie Tietze
16.15 Uhr EIN ALT-KLASSIKER GANZ NEU - Burkhart Kroeber spricht mit Claudia Ott über ihre Neuübersetzung von Tausendundeine Nacht aus der ältesten Quelle
17.30 Uhr OB DIE METAMORPHOSE GELINGT? Über die heikle Frage der Übersetzungsqualität diskutieren Reinhard Kaiser, Wolfgang Matz, Burkhard Müller, Elke Schmitter und Bernhard Robben. Moderation: Hinrich Schmidt-Henkel
20.00 Uhr BLACK BOX IN BABYLON - Übersetzen als organischer Vorgang: Bücher in sich hineinfressen und in einer anderen Sprache wieder ausspucken. Aber was passiert da genau? Wie wird der Input zum Output? Der Übersetzer, das unbekannte System – Frank Günther und sein Ensemble (Ulrich Blumenbach, Beate Smandek und Rosemaie Tietze) präsentieren ein kabarettistisch-wissenschaftliches Blackbox-Experiment.
22.00 Uhr 1001 NACHTMUSIK mit Claudia Ott (Rohrflöte / Nay), Matthias Bautz (orient. Perc.) und Roman Bunka (Laute / Oud)

Mit freundlicher Unterstützung der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, der Kulturstiftung der Länder und der Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur.

Übersetzertag 2002: Fremde Sprachlust

Am 13. September 2002 im Literarischen Colloquium Berlin.

Wie äußert sich in anderen Kulturen die Lust an der eigenen Sprache? Um Wort und Schrift ranken sich die Ursprungsmythen vieler Kulturen, und seit jeher sind die lautlichen und rhythmischen Dimensionen der Sprache Gegenstand kultischer, „subkultureller” und künstlerischer Praktiken.
Welches spielerische Potential sich dabei entfalten kann, wird mit literarischen Darbietungen, Hörspielen und Phantasiestücken im Rahmen unseres Übersetzertags demonstriert. Denn wer übersetzt, ist dieser „fremden Sprachlust“ natürlich unmittelbar auf der Spur.
Wir feiern mit dieser öffentlichen Veranstaltung ein kleines Jubiläum: Vor fünf Jahren wurde im LCB der Deutsche Übersetzerfonds gegründet, der seither die Arbeit von Literaturübersetzern durch Stipendien und Workshops fördert.

Programm
16:00 Begrüßung
Stefan Weidner: Ach du heilige Sprache. Arabische Dichtung oder Was es heißt, anderthalb Jahrtausende lebendiger Sprachgeschichte mit sich herumzuschleppen.
Ró_a Domá_cyna: Wendungen. Inländisches. Das Wendische in seinen Spielarten und Mischformen als poetisches Material.
Anschauliches, Hörenswertes, (Un)Begreifliches. Drei Fremdsprachen im „Kiosk”. Armenisch: Tessa Hofmann; Chinesisch: Susanne Hornfeck; Isländisch: Betty Wahl
18:30 Ulrike Draesner: Try see, try say. Gertrude Stein oder Vom Wandern zwischen den Sprachen
Frieder Butzmann: Ganz heikle Lautpopel. Zuweilen klaffen im abendländischen Kunstlied von Schubert bis Sex Pistols sprachlicher und emotional metasprachlicher Ausdruck weit auseinander. Frieder Butzmann macht Verbesserungsvorschläge
20:30 Oskar Pastior: O du roher Iasmin. Baudelaires Harmonie du soir anagrammatisch
Christiane Buchner: Playing the Dozens. Bis oana woant. Die schwarzamerikanische Lust am Rededuell
Elke Wehr: Argentinische Streifzüge. Vom Lärm zum Laut zum Leise. Was einem in Argentinien alles gar nicht Spanisch vorkommt
Moderation: Christian Hansen und Rosemarie Tietze

Mit freundlicher Unterstützung des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, der Kulturstiftung der Länder und der Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur.

Übersetzertag 2000: Grenzgänger der Literatur

14. Juli 2000 im LCB

Ohne die Übersetzer wäre „Weltliteratur“ ein leerer Begriff: was andere Völker denken und fühlen, erfahren wir aus ihren Nationalliteraturen, diese aber erschließen sich erst dank der Sprach- und Interpretationskunst der Übersetzer. Goethe sprach seinerzeit von einem „der wichtigsten und würdigsten Weltgeschäfte“ und hatte recht: Übersetzer sind Kulturvermittler par excellence. Sie holen Welterfahrung in den eigenen Kulturkreis, sie machen unsere Sprache reicher und lebendiger.
Der literaturexpress europa 2000 bringt an die 100 Autorinnen und Autoren aus allen europäischen Ländern nach Berlin. Ihre Ankunft in der fremden Sprache gelingt nur durch die Vermittlungsleistung der Übersetzer und ihren Versuch, Verständigung zu ermöglichen - ohne die Übersetzer bliebe der literaturexpress ein Geisterzug.
Am 14. Juli 2000 laden wir Übersetzer, die den „Grenzgänger der Literatur“ in besonderer Weise verkörpern, ins LCB. Übersetzer aus den Randgebieten ihres Metiers eröffnen ungewöhnliche Perspektiven auf die Prozesse der Grenzüberschreitung: Gudrun Penndorf hat die deutsche Sprache als Übersetzerin von Asterix und Lucky Luke bereichert. Hermann Kusterer war als Dolmetscher mit Heinrich Lübke unterwegs. Gedichte in Gebärdensprache - über den poetischen Ausdruck von Gehörlosen spricht Simone Scholl. Die Dichterin Yoko Tawada zeigt, wie man vom Japanischen über das Russische ins Deutsche kommt und retour. Mozart in den Fängen seiner Übersetzer: Ragni Maria Gschwend spricht über die Übersetzung von Operntexten, musikalisch begleitet von Stephan Gogolka und Markus Zugehör. Den „Faust“ in der Tasche: die Geschichte einer Goethe-Neuübersetzung in Bulgarien erzählt Ljubomir Iliev aus Sofia. Die Medienkunstklasse Maria Vedder (Hochschule der Künste) nähert sich dem Thema Übersetzen visuell: ausgehend von den vielschichtigen Bedeutungen des Begriffs „übersetzen“ in verschiedenen Sprachen sind kurze Videoclips entstanden.

Programm

16 Uhr Numalfix!!
Die Asterix-Übersetzerin Gudrun Penndorf gibt Einblicke in die Übersetzung von Comic-Literatur

17 Uhr Den Faust in der Tasche
Wie übersetzt es sich in der Diktatur? Ljubomir Iliev berichtet, welche Hürden er bei seiner Neuübersetzung von Goethes Hauptwerk ins Bulgarische überwinden musste

18 Uhr Poesie(h)!
Simone Scholl zeigt Gedichte in Gebärdensprache und legt dar, warum sie nicht für unsere Ohren bestimmt sind

18.45 Uhr übersetzen umsetzen
Translation - Crossover: Die Medienkunstklasse Maria Vedder (Hochschule der Künste, Berlin) präsentiert Videoarbeiten zum Thema „übersetzen“

20.30 Uhr Übersetzung als Verwandlung
Die Dichterin Yoko Tawada erläutert, wie man eigene Werke in die Muttersprache übersetzt und dabei der Text auch schon mal auf das Dreifache anwachsen kann

21.15 Uhr Übersetzen und Staatsräson
Hermann Kusterer, Dolmetscher deutscher Spitzenpolitiker wie Konrad Adenauer und Heinrich Lübke, erzählt von den Tücken der staatstragenden Übersetzung

22 Uhr Figaros Flehn und Flattern
Anhand der Militärarie Nr. 9 aus Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ (Nun vergiss leises Flehn, süßes Kosen …) lässt Ragni Maria Gschwend 200 Jahre Opernübersetzung Revue passieren. Es begleiten Stephan Gogolka (Gesang) und Markus Zugehör (Klavier)

In den Pausen besteht die Möglichkeit, die Videoarbeiten zum Thema „übersetzen“ anzuschauen.

Moderation: Peter Klöss und Hinrich Schmidt-Henkel
Projektleitung: Peter Klöss

Übersetzertag 1998: Die langen Wege zwischen den Sprachen

Am 12. Dezember 1998 im LCB.

Programm
15.00 Uhr - 18.30 Uhr Die langen Wege zwischen den Sprachen

Ragni Maria Gschwend: Schneeberg - Ssneznik - Nevoso
Auf beschwerlichen Pfaden durch die „Microcosmi“ von Claudio Magris

Nikolaus Stingl: …not so much transported as translated…
Unterwegs zur deutschen Fassung von „Mason & Dixon“

Grete Osterwald: Die historische Biographie - ihr Anspruch an die Sprache.
Zur Übersetzung von „Ludwig der Heilige“ von Jacques LeGoff

Angelika Gundlach: Kollisionen im Kopf des Übersetzers
Schreibstrategien von Jan Kjærstad in „Der Verführer“

Andreas Tretner / Anatoli Asolski: Zellenbildung
Der Übersetzer im Gespräch mit dem Autor

20.00 Uhr - 24.00 Uhr Übersetzer auf Dienstreise
Kathrin Liedtke: Kolo musí pryc - Impressionen aus dem herbstlichen Prag
Stefan Weidner: Pfadfinder im Dickicht der arabischen Literatur
Elke Wehr: Mit 157 Fragen nach Paraguay

Lese-Marathon
Ragni Maria Gschwend liest Claudio Magris
Angelika Gundlach          Jan Kjærstad
Gunnar Kwisnski            John King
Kathrin Liedtke            Jirí Kratochvil
Ruth Melcer                Yael Hadaya
Nikolaus Stingl            Thomas Pynchon
Andreas Tretner            Anatoli Asolski
Elke Wehr                  Augusto Roa Bastos
Stefan Weidner             Arabische Lyrik

Moderation: Rosemarie Tietze

Übersetzertag 1997: Zur Gründung des Deutschen Übersetzerfonds

Am 13. September 1997 im Literarischen Colloquium Berlin.

Programm

15.00 Dieter E. Zimmer: Nabokov übersetzen

16.00 Hans Hermann: Eine Übersetzung ins Schwäbische

16.30 Elisabeth Edel / Wolfgang Matz: Zweistimmige Inventionen. Übersetzen im Duett - kann das gutgehen?

17.30 Jewgeni Popow / Rosemarie Tietze: …und umgekehrt: wie sieht der Autor den Übersetzer? Zweisprachiges Interview

18.00 Frank Günther: Shakespeare/Sommernachtstraum

19.00 Finissage der Übersetzerwerkstatt 1996 im LCB

21.00 Harry Rowohlt liest aus Frank McCourt und Shel Silversteins Kindergedichten

Übersetzerzentrum der Leipziger Buchmesse

Panel: „Üb ersetzen“! Modelle der Aus- und Weiterbildung für Literaturübersetzer
Veranstaltung im Übersetzerzentrum der Buchmesse Leipzig am 18. März 2016

Mit Thomas Brovot (Deutscher Übersetzerfonds), Karsten Kredel (Hanser Berlin), Ton Naaijkens (Uni Utrecht). Moderation: Maria Hummitzsch (VdÜ)

Zur Literaturübersetzerin wird man nicht über Nacht. Die Fremdsprachenkenntnisse, die Kunst der Interpretation, das Handwerk der Recherche, den eigenen Lektürekanon und die Schreibkompetenz in der Muttersprache stetig zu erweitern, all dies gehört zum Profil. Um die fürs Übersetzen nötigen Kompetenzen und Erfordernisse zu beschreiben, die Methoden der Ausbildung weiterzuentwickeln und arrivierte Literaturübersetzer in Weiterbildungsmodelle einzubeziehen, haben sich Institutionen aus sechs europäischen Ländern in einer „strategischen Partnerschaft“ (www.petra-e.org) zusammengetan. Im Sommer 2016 wird ein „Rahmenplan für die Aus- und Weiterbildung von Literaturübersetzern“ vorgestellt. Veranstalter: Deutscher Übersetzerfonds und Petra-E, gefördert von Erasmus+ (EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport).

Gefördert durch das EU-Projekt Petra-E.

ViceVersa. Internationale Fortbildung für Literaturübersetzer
Veranstaltung auf der Leipziger Buchmesse am 18. März 2011

Mit Thomas Brovot, Jörn Cambreleng, Shelley Frisch, Dorota Stroińska
Moderation: Andreas Tretner

Der Deutsche Übersetzerfonds und die Robert Bosch Stiftung GmbH haben mit Unterstützung des Auswärtigen Amts und unter der Schirmherrschaft von Staatsministerin Cornelia Pieper ein Programm zur internationalen Fortbildung von Literaturübersetzern ins Leben gerufen. „ViceVersa“ wird zweisprachige Übersetzerwerkstätten mit Teilnehmern eines bestimmten Sprachenpaares (einer paritätisch besetzten Gruppe von 10-12 Übersetzern aus dem Deutschen ins Russische und umgekehrt zum Beispiel) ermöglichen.

Veranstaltungsart: Diskussion
Veranstalter: Deutscher Übersetzerfonds, Robert Bosch Stiftung

Kulturelle Bildung

Übersetzen kann als Kulturtechnik unserer heutigen Zeit verstanden werden: Im Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen, bei der Integration, bei der Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe, bei der Entwicklung von Zukunftsperspektiven – immer sind vielfältige sprachliche und kulturelle Übersetzungsleistungen notwendig. Literarische Übersetzung eignet sich durch ihr vielfältiges Bildungspotential besonders gut für die kulturelle Bildung - vielleicht mehr noch als kreatives Schreiben. Übersetzen ist Rezeption und Produktion gleichermaßen.

Durch Ergänzung des Schulunterrichts um Workshops in literarischem Übersetzen wird ein Bewusstsein für den sprachlich-kreativen Schritt der Übersetzung vermittelt, was wiederum wichtige Impulse für den Sprachunterricht, die kulturelle Bildung, aber auch für die gesellschaftliche Teilhabe gibt.

Der Deutsche Übersetzerfonds entwickelt verschiedene Projekte, um das Wissen der Übersetzerinnen und Übersetzer weiterzugeben und damit am Entwurf einer neuen Perspektive für die Bildung in einer kulturell vielfältigen Gesellschaft mitzuwirken.

Übersetzer*innen unter Schüler*innen

Wie man am besten literarisches Übersetzen und Schule zusammenbringt, erproben derzeit gemeinsam mit der Mittel- und Oberstufe des benachbarten Drei-Linden-Gymnasiums in Berlin-Wannsee mehrere Übersetzerinnen und -übersetzer, darunter Henning Bochert, Leila Chammaa, Marianne Gareis, Claudia Hamm, Norbert Hummelt, Hinrich Schmidt-Henkel und Sophie Zeitz. Die Schülerinnen und Schüler sind eingeladen, im LCB mit professioneller Unterstützung verschiedene Aspekte der Literaturübersetzung zu studieren und eigene Übersetzungsversuche zu machen. Auf dem „Lehrplan“ stehen u. a. Übersetzung von Lyrik, Comic und Roman, Serien-Untertitelung, Arabisch für Anfänger oder Queneaus »Stilübungen«.

Das Projekt ist eine Kooperation des LCB mit dem Deutschen Übersetzerfonds und wird gefördert durch den Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung.

In zwei Sprachen zuhause

Wie kann sich der Deutsche Übersetzerfonds, wie können sich Übersetzerinnen und Übersetzer in die Integrationsarbeit mit geflüchteten Menschen einbringen? Ein Projekt namens „In zwei Sprachen zuhause“ war unsere Antwort, ein Erzählprojekt für geflüchtete Kinder und Jugendliche, realisiert durch die Förderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).

Die Idee dahinter: hier ankommende und angekommene Kinder sollen zum Erzählen animiert werden, das Erzählte schriftlich oder bildlich festhalten und gemeinsam mit Übersetzerinnen ins Deutsche bringen. Dieser Transfer ist gedacht als Akt der Sprachaneignung der neuen, fremden Sprache, wobei Mehrsprachigkeit als Gewinn, nicht als Ausgrenzungsfaktor erlebt werden soll. Der bewusste Übertragungsprozess des eigenen, muttersprachlichen Textes soll bei der Identitätsfindung, der Entwicklung eines Sprachbewusstseins und des Selbstbewusstseins helfen.
Nachdem Übersetzerinnen eigene Konzepte zur Umsetzung eingereicht hatten, entstand ein buntes Portfolio an Geschichten-Workshops an verschiedenen Orten Deutschlands, unterstützt zum Teil durch Dolmetscher, weitere ÜbersetzerInnen, Autorinnen und PädagogInnen: In der Internationalen Jugendbibliothek in München trafen beispielsweise GymnasiastInnen auf ÜbergangsschülerInnen, um gemeinsam und gegenseitig anhand von mitgebrachten Gegenständen Geschichten zu erzählen – schreibend, übersetzend, sich pantomimisch verständigend, assoziierend, lernend. In Köln lag der Fokus auf biographischem Schreiben arabischsprechender SchuülerInnen aus einer Gymnasien-Vorbereitungsklasse. In Döbeln (Sachsen) fanden Schreib- und Übersetzungsworkshops mit SchülerInnen einer „Deutsch als Zweitsprache“-Klasse statt – mit neun verschiedenen Muttersprachen. In Bad Cannstatt (Stuttgart) unterstützte eine Traumatherapeutin das kreative Schreiben jesidischer Mädchen, die sich explizit eine Deutsch-Werkstatt gewünscht hatten. Die Geschichtenwerkstätten in Berlin fanden mit Schülern von Willkommensklassen in Bibliotheken statt; zum Abschluss stellten die Jugendlichen ihre Texte in oöffentlichen Lesungen vor. In Stuttgart wurde bei Workshops mit Kindern aus einer Notunterkunft das Schreiben auf Deutsch mithilfe der Musik- und Theaterpädagogik gefördert; auch in Angermünde wurden die Workshops mit Mitteln der Theaterpädagogik sowie mit Elementen der „Sprachmittlermethode“ begleitet. Die mehrsprachigen Texte werden zusammen mit Fotos und Illustrationen in einem Sammelband gedruckt und den Kindern ausgehändigt. 

Hier geht es zum Blog zum Projekt mit vielen Texten. Die Publikation kann in der Geschäftsstelle angefordert werden.

 

Weitere Veranstaltungen

Mit scharfem Blick und feinem Ohr

Von der Sprachkritik zur Übersetzungskritik
Ein Symposium für Kritiker, Übersetzer und Lektoren im Literaturhaus München am 24. und 25. Juni 2010.

Der August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessor Burkhart Kroeber im Gespräch mit Georg Witte und Marie Luise Knott

Veranstaltung am 11. Februar 2009 im Literarischen Colloquium Berlin

Was ist beim Übersetzen wirklich schwierig?
Es ist zwar nichts wirklich leicht beim Übersetzen, jedenfalls wenn man es mit literarischen Texten zu tun hat, aber es gibt durchaus verschiedene Grade an Schwierigkeit, von kaum imitierbaren Wortspielen über lange vertrackte Satzperioden bis zu gleichzeitig sprachlichen und kulturellen Assoziationsketten, für die es in der Zielsprache kein Äquivalent gibt, die aber im Text unentbehrlich sind, also irgendwie übersetzt werden müssen. Burkhart Kroeber, der in diesem Winter die August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung bekleidet, erläutert zum öffentlichen Abschluss seines Seminars Beispiele aus Texten von Umberto Eco, Italo Calvino sowie Fruttero & Lucentini und spricht mit Kollegen und Studenten über den Umgang mit solchen Fällen.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Übersetzerfonds und dem Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der FU Berlin.

In Ketten tanzen. Übersetzer _ Interpreten _ Schauspieler auf der Suche nach ihrem Text 

Tagung 4. und 5. September 2006 im Literarischen Colloquium Berlin.

5. Internationales Literaturfestival Berlin

6. bis 17. September 2005
Der Deutsche Übersetzerfonds unterstützte die Veranstaltungsreihe „Die Kunst des Übersetzens“ im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin.

Seminar für Übersetzer aus südslawischen Sprachen

4. bis 9. Juli 2005
„Textwerk“-Seminar im Literaturhaus München
Leitung: Katharina Raabe und Klaus Dieter Olof

4. Internationales Literaturfestival Berlin

21. September bis 2. Oktober 2004
Der Deutsche Übersetzerfonds unterstützte die Veranstaltungsreihe „Die Kunst des Übersetzens“ im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin am 25.9.2004 - mit Theresia Prammer, Wolfgang Schlüter, Rainer G. Schmidt und Peter Urban-Halle.

50 Jahre VDÜ

9. bis 12. September 2004 in Wolfenbüttel
Der Deutsche Übersetzerfonds unterstützte die Übersetzerworkshops im Rahmen der Veranstaltungen zum 50jährigen Jubiläum des Literaturübersetzerverbandes.

Spurwechsel – Ein Film vom Übersetzen

Ist Ironie, etwa die so heitere wie feine Distanziertheit eines Thomas Mann, übersetzbar? Warum wimmelt es in russischen Texten von „Täubchen“ und „Herzchen“? Wird Kafkas Liftjunge Karl Roßmann gegen die Schulter oder in den Hintern gestoßen? Und wie kommt es, daß „aktualnost“ und „Aktualität“ nicht dasselbe bedeuten? Spurwechsel, ein Filmprojekt zum Länderschwerpunkt „Rußland“ der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, fragt nach den Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Kulturen, wie sie in den Sprachen zutage treten und von den Übersetzern gestaltet werden. Zu Wort kommen je fünf Literaturübersetzer aus dem Deutschen ins Russische und umgekehrt. Da geht es um strukturelle Differenzen zwischen den Sprachen und zugleich, unablösbar mit diesen verbunden, um kulturhistorisch unterschiedliche Resonanzräume. Bestimmte Wörter, sagt beispielsweise Marina Korenewa, haben einen „Hinterhof“, der sich nicht mittransportieren lasse. Und Ilma Rakusa spricht von den unterschiedlichen „Temperaturen“ des Russischen und des Deutschen. So erweist sich das Gespräch über Unterschiede und Gemeinsamkeiten zuletzt als ein Vexierspiel, in dem der individuelle Stil und das Temperament des jeweiligen Übersetzers, seine Lese- und seine Lebenserfahrung eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Spurwechsel zeigt die vielfachen Brechungen, die sich ergeben, wenn ein Text die Sprache wechselt.

Spurwechsel, eine Filmdokumentation von Gabriele Leupold, Eveline Passet, Olga Radetzkaja, Anna Schibarowa und Andreas Tretner.

Die Interviewpartner: Marina Korenewa, Dorothea Trottenberg, Sergej Romaschko, Gabriele Leupold, Solomon Apt, Thomas Reschke, Tatjana Baskakowa, Ilma Rakusa, Michail Rudnizki, Swetlana Geier.
Kamera: Jakobine Motz. Schnitt: Stefan Stabenow, Ca. 75 Minuten.

Mit freundlicher Unterstützung von: Fachbereich angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft der Universität Mainz/Germersheim, DIE FÄHRE - Sächsischer Verein zur Förderung literarischer Übersetzung e.V..
Das Projekt wurde gefördert von: Robert Bosch Stiftung, Deutscher Übersetzerfonds, Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur.

Spurwechsel wurde erstmals auf der Frankfurter Buchmesse 2003 öffentlich gezeigt.

„Umschlag 2002“

Mai 2002
Ungarisch-deutsches Kolloquium mit Workshop an der Humboldt Universität zu Berlin
Leitung: Irene Rübberdt

TOLEDO

Übersetzer sind zentrale Akteure des internationalen Kulturaustauschs. Mit ihrer Arbeit erweitern sie unseren Horizont und unser Verständnis für andere Kulturen. Je höher die Übersetzungskultur, desto reicher und lebendiger unser Weltwissen, unsere Literatur, unsere Sprache.

Das Förderprogramm TOLEDO – Übersetzer im Austausch der Kulturen stärkt die aktive Rolle von Übersetzern als Mittler zwischen den Kulturen und Sprachräumen. Unterstützt werden Mobilitäts- und Vernetzungsmaßnahmen, die Übersetzer in Kontakt mit den Kulturräumen ihrer Ausgangssprache und in Austausch mit anderen Übersetzern und Akteuren des Literaturbetriebs bringen. Mit interaktiven Veranstaltungen wird darüber hinaus der Kulturwortschatz der Übersetzer einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Ziel von TOLEDO ist es, zur Entstehung einer lebendigen internationalen Übersetzerszene beizutragen, die Wissen und Diskurse vielfältiger Kulturen über sprachliche und politische Grenzen hinweg transportiert. Das Programm ist inspiriert von der Tradition großer europäischer Übersetzungszentren, die im Mittelalter an Orten wie der kastilischen Stadt Toledo entstanden und eine von Kooperation und Austausch geprägte Übersetzungskultur hervorbrachten.