Übersetzertag 2017

Zaitenklänge. Geschichten aus der Geschichte der Übersetzung

Symposium zum 20. Jubiläum des Deutschen Übersetzerfonds

 

20. Oktober 2017 im LCB

 

Das Programm als PDF.

 

„Warum man Shakespeare nicht übersetzen kann und es trotzdem immer wieder tut“ – unter diesem Titel begeisterte einst Frank Günther das Berliner Publikum. In seiner schauspielerischen Darbietung setzte er den Übersetzer mal als gequälten, dann wieder als  listig zupackenden Sinnsucher und Problemlöser in Szene. Man schrieb den 13. September 1997 und Rosemarie Tietze hatte so manchen charismatischen Vertreter des Fachs eingeladen, die sprachlich-sinnliche Faszination des Übersetzens in unterschiedliche Darbietungsformen zu gießen. Mit diesem ersten „Übersetzertag“ im Literarischen Colloquium Berlin feierte man damals die Gründung des Deutschen Übersetzerfonds am Tag  zuvor.

 

Heute, 20 Jahre später, ist aus der Vereinsidee „Deutscher Übersetzerfonds“ eine Institution geworden, die der Förderung literarischer Übersetzerinnen und Übersetzer nicht nur eine feste Adresse gegeben hat, sondern auch einen organisatorischen Rahmen mit einer Vielfalt an Instrumenten und neuen Inhalten. Wir danken allen, die daran mitgearbeitet haben!

 

Ins Zentrum unseres Jubiläumssymposiums stehen Geschichten aus der Geschichte der literarischen Übersetzung. Man weiß: Die Blütezeiten der deutschen Literatur waren „belles époques“ der Übersetzungskunst. Der Reichtum unserer Literatur ist ohne den Austausch mit den Literaturen der Welt nicht denkbar. Übersetzungsgeschichte ist aber auch und vor allem Übersetzergeschichte, viel häufiger noch Übersetzerinnengeschichte, und beim Nachdenken darüber wird uns deutlich, wie wenig wir über Übersetzerinnen und Übersetzer vergangener Epochen wissen: eine Leerstelle unseres kulturellen Bewusstseins. Auf dem Weg zu einer Archäologie der Übersetzungskunst haben wir Übersetzerinnen und Übersetzer, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von heute damit beauftragt, aufschlussreiche Geschichten aus der Historie des Übersetzens als einer Geschichte des Sprachschöpfens zu entfalten.

 

10.00 Lessing ein Übersetzer! Moses Mendelssohn ein Übersetzer! Josef Winiger

 

11.00 Was aber bleibet ... Übersetzer und ihre Nachlässe. Andreas Tretner über das Erforschen des Nachlasses der Hilde Angarowa. Andreas Kelletat über das Germersheimer Übersetzerlexikon uelex. Moderation: Albrecht Buschmann

 

12.15 "Großartig geschrieben!" - Übersetzungsliteratur auf dem deutschen Buchmarkt 1933-1945. Christian Adam

 

14.45 Alles was Recht ist: Wie die Übersetzer zu Urhebern wurden. Ferdinand Melichar

 

15.30 Bikollaterale Baukunst. Korrelationen von Brückenarchitektur und Literaturübersetzung im Wandel der Jahrhunderte. Andreas Jandl

 

16.00 50 Jahre DÜF. Rosemarie Tietze und Maria Hummitzsch im spekulativen Dialog

 

17.00 Übersetzen als Schreiben, Schreiben als Übersetzen. Drei Grenzverletzungen mit Christian Hansen, Susanne Lange und Ulf Stolterfoht. Moderation: Katharina Raabe

 

20.00 Don DeLillo: "Great Jones Street", deutsche Version. Siegerehrung und Gespräch zwischen der Preisträgerin/dem Preisträger und Ulrich Blumenbach. Moderation: Marie Luise Knott

 

Ausstellung in den Veranstaltungsräumen

 

Urbans Orbit. Einblicke in den Nachlass eines Übersetzers, kuratiert von Marie Luise Knott und Andreas Tretner.

Zu sehen bis zum 9. Februar 2018 vor und nach den Abendveranstaltungen im Literarischen Colloquium Berlin.

 

 

Christian Adam

Leiter des Fachbereichs Publikationen im Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam. Autor der Studien Lesen unter Hitler (2010) und Der Traum vom Jahre Null (2016) über die Neuordnung der Bücherwelt in Ost und West nach 1945.

 

Ulrich Blumenbach

Übersetzer aus dem Englischen (u.a. David Foster Wallace, Joshua Cohen), Mitglied im Vorstand des Deutschen Übersetzerfonds, lebt in Basel.

 

Albrecht Buschmann

Professor für spanische und französische Literaturwissenschaft an der Universität Rostock und Übersetzer (u.a. Max Aub), lebt in Berlin.

 

Christian Hansen

Übersetzer aus dem Spanischen (u.a. César Aira, Roberto Bolaño, Alan Pauls), lebt in Berlin und Madrid.

 

Maria Hummitzsch

Übersetzerin aus dem Englischen und Portugiesischen (u.a. von David Garnett, Iris Murdoch, David Foster Wallace) und 2. Vorsitzende des VdÜ, lebt in Leipzig.

 

Andreas Jandl

Übersetzer aus dem Englischen und Französischen (u.a. Nicolas Dickner und J.A. Baker), lebt in Berlin.

 

Andreas Kelletat

Schriftsteller und Professor für Interkulturelle Germanistik an der Universität Mainz/Germersheim, Herausgeber des Germersheimer Übersetzerlexikons uelex.de, lebt in Mannheim.

 

Marie Luise Knott

Autorin und Übersetzerin, lebt in Berlin; Mitglied im Vorstand des Deutschen Übersetzerfonds; zuletzt erschien der Essay-Band Dazwischenzeiten (Matthes & Seitz, Berlin 2017)

 

Susanne Lange

Übersetzerin aus dem Spanischen (u.a. Miguel de Cervantes, Fernando del Paso und Yuri Herrera), lebt in Barcelona.

 

Prof. Dr. Ferdinand Melichar

Urheberrechtler, langjähriges geschäftsführendes Vorstandsmitglied der VG Wort, lebt in München.

 

Katharina Raabe

Lektorin für osteuropäische Literaturen im Suhrkamp Verlag, lebt in Berlin.

 

Ulf Stolterfoht

Dichter, Übersetzer und Verleger (Brueterich Press), lebt in Berlin; zuletzt erschien der Gedichtband neu-jerusalem (kookbooks, Berlin 2015).

 

Rosemarie Tietze

Literaturübersetzerin aus dem Russischen (u.a. Lew Tolstoi, Andrej Bitow), unterrichtet Übersetzen und präsentiert übersetzte Literatur in den Medien. Auf ihre Initiative wurde 1997 der Deutsche Übersetzerfonds gegründet, den sie bis 2009 leitete.

 

Andreas Tretner

Übersetzer aus dem Russischen und Bulgarischen (u.a. Vladimir Sorokin, Alexander Ilitschewski), lebt in Berlin.

 

Josef Winiger

Übersetzer aus dem Französischen (u.a. Georges Simenon, Jean Rouaud) und Autor einer Feuerbach-Biografie, lebt im Allgäu.


Das Symposium wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Die Kulturstiftung der Länder ermöglichte die Realisierung des Übersetzungswettbewerbs "Great Jones Street".