Polnisch-Deutsche Übersetzerwerkstatt 2008

Aus dem Bericht der Werkstattleiterinnen:

„Die Auswahl der Texte ergab eine ganze Galerie von literarischen Welten und Formen, was trotz intellektueller Herausforderung nie ermüdend war. Im Gegenteil: Die Vielfalt und die Mannigfaltigkeit der diskutierten Texte wirkte überaus inspirierend, bildend und bereichernd. (…)

Die Vielfalt der Texte ließ alle Teilnehmer rasch erkennen, dass es nicht die Übersetzungsstrategie gibt, sondern jeder Text seine eigene, ganz „persönliche“ Strategie erfordert. (…)

In der gemeinsamen Arbeit an den Texten ging das Gespräch über die einfache Fehleranalyse hinaus. Die konkreten Beispiele waren oft der Ausgangspunkt für Diskussionen über die semantischen, syntaktischen und stilistischen Unterschiede und Ähnlichkeiten in den beiden Sprachen. Es wurde über die strukturellen und poetologischen Voraussetzungen des jeweiligen Textes und über die daraus resultierenden strategischen Lösungsansätze gemeinsam nachgedacht. Auch das Thema einer philologischen und einer literarischen Übersetzung von Texten (besonders von Gedichten) löste eine lebhafte Diskussion aus.

Ein weiteres grundlegendes Prinzip der zweisprachigen Werkstatt hat sich hier bewährt: Es wurde als eine Erfahrung von unschätzbarem Wert erlebt, dass an einem Tisch Menschen miteinander diskutierten, die nicht nur zwei verschiedenen Sprachwelten angehören und in ihren jeweiligen kulturellen Kontexten verwurzelt sind, sondern auch täglich in der Sprache und mit der Sprache als literarischem Material arbeiten und dadurch einen besonderen Blick für literarische Texte haben. Es waren an einem Tisch Übersetzerpersönlichkeiten – wandelnde Quellen von Wissen, Erfahrungen, ästhetischer Sensibilität - versammelt, die kein Wörterbuch, keine Enzyklopädie zu ersetzen vermag. Indologen, Lyriker, Universitätsdozenten, Journalisten, Literaturwissenschaftler, Bibliothekare, Lehrer, klassische Philologen und Philosophen waren unter uns, und jeder trug mit seinem geistigen Horizont zum Verständnis der Texte und zur Erschließung neuer Lesarten bei.“ (Dorota Stroińska)


Aus den Berichten der TeilnehmerInnen

„Die Krakauer Werkstatt war für mich die ideale Form einer Textarbeit. Sie war die Entdeckung dessen, was das Auge vorher übersehen und das Ohr überhört hat. Sie war eine klug geleitete Suche nach der adäquaten Übersetzungsform.“

„Die nicht-alltägliche Begegnung von verschiedenen Persönlichkeiten, Temperamenten und Erfahrungen brachte neue, manchmal überraschende Gedanken und Reflexionen hervor, die mein eigenes kreatives Denken entschieden bereichert haben. Mit Dankbarkeit habe ich die Ratschläge und Anmerkungen erfahrener Kollegen angenommen, die mir die Verantwortung des Übersetzers gegenüber dem Autor erneut bewusst gemacht und einen Weg zur Überwindung der Schwierigkeiten aufgezeigt haben.“