Englisch-Deutsche Übersetzerwerkstatt 2007

Aus dem Sachbericht der Werkstattleiterin

"Gut war, dass ein Großteil der Teilnehmer sich wie in der Ausschreibung angeregt sehr genau überlegt hatten, was sie von der Runde wollten. Die zu behandelnden Stellen waren hervorgehoben, die Probleme klar definiert, die Diskussion dadurch wunderbar fokussiert. Und es gab immer auch Raum für die Besprechung von Problemen, die durch die Urheber selbst nicht unbedingt wahrgenommenen worden waren.

Der Fokus lag diesmal häufig auf grammatischen Automatismen und wie sie zu finden und herauszufiltern sind, wenn sie einem doch unterlaufen. Thema Selbstkenntnis. Tenor: sich nicht von der Grammatik oder von einem unreflektierten Begriff der „Richtigkeit“ beherrschen lassen, sondern dahinter kommen, immer genauer, was ich sagen will, hier, an dieser Stelle dieses Textes, und dafür die Möglichkeiten der Grammtik nutzen. Am Ende haben wir eine Liste "verdächtiger" Wörter und Wendungen zusammengestellt, die man im Text suchen kann, um deren Berechtigung zu kontrollieren und sie gegebenenfalls zu ersetzen.

Durchgehende Themen: Textgedächtnis, Textökonomie, -zusammenhalt, Stimmigkeit der Elemente, Gewichtung, Freiheiten etwa in der Distribution der Namensnennungen;

Markieren von Umgangssprache, Dialekten und Soziolekten, Szenesprache, Verschlankung von Metaphern, sprechend machen von Redefiguren durch genaue Wortwahl;

was tun mit unübersetzbaren Sprachspielen und mit Anspielungen, die in den beiden Sprachen ganz unterschiedlich funktionieren, mit Betonung auf übersetzerischen, nicht deskriptiven oder erklärenden Lösungen;

Ton und seine Mittel, Syntax: die Möglichkeiten des Deutschen.

Interessiert wurde wahrgenommen, dass die amerikanische Übersetzerin ihren Autoren ganz ähnliche Unschärfen und Ungenauigkeiten vorwirft wie wir den englischen. (...)

Fazit: Wie im letzten Jahr haben es die Teilnehmer genossen, ihre Texte einer kleinen Öffentlichkeit zu präsentieren. Die genaue Definition der Probleme durch die Bewerber hat zu hervorragend intensiven Diskussionen geführt.

Mir hat die Durchführung der Werkstatt wieder viel Freude gemacht, es war eine durch und durch gelungene Arbeitsbegegnung unter sehr motivierten und engagierten Kollegen und Kolleginnen. Alle sind sich einig, dass diese Form der Weiterqualifizierung sehr wertvoll ist. und möglichst jährlich stattfinden sollte, um dem großen Kreis der Übersetzer aus dem Englischen gezielte, selbst definierte Weiterqualifikationen zu bieten." (Karen Nölle)


Aus den Berichten der TeilnehmerInnen

„Wenn es diese Workshops nicht gäbe, müsste man sie erfinden. Der Austausch zwischen den professionellen Übersetzern und die gemeinsame akribische Arbeit an den Texten geben nicht nur eine Vielzahl an fruchtbaren Anregungen und auch Vertiefungen des Textverständnisses, sondern vor allem wesentliche Entscheidungskriterien für die zukünftige Arbeit. Das heißt, die Teilnehmer und die Übersetzungskultur insgesamt profitieren außerordentlich. Nebenher bricht der soziale Kontakt unter den Übersetzern die oftmals doch isolierte getane Arbeit auf und eröffnet einen wichtigen Kommunikationsspielraum, der sicherlich über den Termin eines solchen Workshops Bestand hat. Fazit: Unverzichtbar!

„Zugleich bin ich mit einer gewissen Beklommenheit angereist, nicht zuletzt wegen der anspruchsvollen Texte, die die anderen Teilnehmer eingereicht hatten.Umso erleichterter war ich, als viele meiner Lösungsvorschläge bei den Textbesprechungen durchaus positiv aufgenommen wurden. Dieses Gefühl der Bestätigung war für mich sehr wichtig, weil ich in letzter Zeit doch hin und wieder an meinem sprachlichen Gespür gezweifelt habe. Die lebhaften Diskussionen mit den anderen haben mir großen Spaß gemacht und wieder einmal vor Augen geführt, um wie viel kreativer man im Team arbeitet.“